„Viele Apps werden am Bedarf vorbeientwickelt“

Versicherungen Top News Berater von Michael Fiedler

Warum Liechtenstein?

procontra: Was ist eigentlich das Besondere am Standort Liechtenstein?

G. Diehr: Wir haben einen einzigartigen Standortvorteil: Aufgrund des Zollabkommens und der Währungsunion steht uns der Schweizer Markt offen. Und die Mitgliedschaft Liechtensteins im Europäischen Wirtschaftsraum öffnet uns zusätzlich Zugang zum gesamten EWR-Raum und somit auch zu Deutschland. Aufsichtsrechtlich hat der Kunde jedoch keine Nachteile, wenn er sich für ein Liechtensteiner Produkt entscheidet, denn die Regulatorik der Liechtensteiner FMA orientiert sich eng an die deutsche BaFin und die europäische EIOPA.

procontra: Keine Nachteile zu haben ist das eine, aber hat der Kunde denn auch besondere Vorteile?

G. Diehr: Ja, anders als in Deutschland ist das angelegte Kundenvermögen als Sondervermögen besonders geschützt. Im unwahrscheinlichen Fall einer Insolvenz des Versicherers hat der Kunde also sofort Zugriff auf sein Fondsvermögen. Ein Gesetz wie in Deutschland, das es Versicherern erlaubt, Zahlungen zeitweise zu reduzieren, gibt es in Liechtenstein nicht.

procontra: Auf diesen Vorteilen kann man sich bestimmt bequem ausruhen.

G. Diehr: Keineswegs, dafür ist die Branche viel zu dynamisch geworden. Die Digitalisierung ermöglicht, bestehende Prozesse zu hinterfragen: Was macht meine Arbeit leichter? Wie lassen sich Antragprozesse auf ein Minimum an Aufwand reduzieren? Das sind Fragen, die unsere Arbeit beschäftigen, denn wir wollen, dass der Makler mehr Zeit für seine eigentliche Aufgabe hat: Die Beratung beim Kunden.

Wie Versicherer Vermittler unterstützen können

procontra: Wo genau konnten Sie denn schon die Arbeit des Maklers erleichtern?

A: Wir haben beispielsweise einen Fragebogen entwickelt, der den Kunden bereits in verschiedene Risikoklassen einteilt. Auch das gesetzlich vorgeschriebene Beratungsprotokoll können wir App-basiert so gestalten, dass es nach der Beantwortung der Fragen automatisch erstellt wird und archiviert werden kann.

procontra: Es gibt wohl kaum einen Versicherer, der noch keine Apps auf den Markt geworfen hat.

G. Diehr: Masse ist nicht Klasse. Die meisten Apps werden doch am Kundenbedarf vorbeientwickelt und finden daher kaum Akzeptanz. Unsere Apps beantworten die brennenden Fragen der Kunden: Wie haben meine Fonds performt? Wie hoch ist der Rückkaufswert meiner Police zum jetzigen Zeitpunkt? Die Zeiten, in denen der Kunde einmal im Jahr eine kaum verständliche Standmitteilung per Post erhalten hat, sind doch längst vorbei.

procontra: Ersetzen die Apps letzten Endes den Makler?

G. Diehr: Im Gegenteil. Wir sehen sie als wichtige Verkaufsunterstützung. Sie erleichtern dem Makler den Papierkram, visualisieren das Beratungsgespräch und bieten ihm obendrein attraktive Cross-Selling-Möglichkeiten. Unsere prosperity.app bietet beispielsweise auch den Button „Beratungsbedarf“ und erleichtert so die Kontaktanbahnung. Mit Hilfe der App ist es uns so möglich, gegen Jahresende die Kunden zu kontaktieren, wenn bestimmte Freibeträge noch nicht ausgenutzt wurden und ihnen so Handlungsspielräume zu eröffnen. Wie diese genutzt werden, entscheidet dann auch der Makler.

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