Rente bald mit 70?

Berater Top News von Detlef Pohl

Die Bundesbank rechnete vor, dass die Rente mit 70 bis zum Jahr 2070 kommen müsste. Die Mehrheit ist laut einer DIA-Umfrage dagegen. Das überrascht nicht. Ein Blick in die Vergangenheit und die heutige USA zeigt, was auf uns zukommen könnte.

Ob Politiker den Mut finden, das Renteneintrittsalter weiter anzuheben, bezweifelt DIA-Sprecher Klaus Morgenstern. Bild: DIA

Die demografische Entwicklung verlangt eigentlich längere Lebensarbeitszeiten, doch viele Kunden von Versicherungsmaklern treibt eher um, wie sie früher in Rente gelangen können und was das kostet (procontra berichtete). „Finanztest" hatte dazu im Sommer anhand von Musterrechnungen Rentenhöhe und Abschläge erläutert. Fazit: Früher in Rente kann man nach 35 Beitragsjahren, aber mit heftigen Abschlägen (0,3 Prozent für jeden Monat zu früh), ansonsten erst mit 45 Beitragsjahren (procontra berichtete).

Allerdings geht der Zug gesamtgesellschaftlich in die andere Richtung. Die Deutsche Bundesbank hat in ihrem Monatsbericht Oktober 20019 ausgerechnet, dass der Beitrag in der gesetzlichen Rentenversicherung wegen der Alterung der Bevölkerung bis 2070 auf 26 Prozent steigen wird. Als Schlussfolgerung aus der Prognose hatte die Bundesbank eine Erhöhung des Renteneintrittsalters bis 2070 auf 69 Jahre und vier Monate vorgeschlagen. Die Rente ab 70 wäre nicht mehr fern, zumindest für die Geburtsjahrgänge ab dem Jahr 2000.

Breite Ablehnung höheren Renteneintrittsalters

Wenig überraschend: Nahezu drei Viertel der Deutschen lehnen eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters ab, ergab eine Umfrage des Meinungsforschers Insa Consulere im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) unter 2.000 Erwachsenen kurz nach Veröffentlichung der Bundesbankprognose. Demnach sind 73 Prozent der Befragten gegen eine Kopplung des Renteneintritts an die Entwicklung der Lebenserwartung, aber immerhin auch 14 Prozent Befragten dafür.

Überraschend: Die Zustimmung zur Rente mit 70 ist in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen am höchsten und bewegt sich zwischen zehn und 19 Prozent. Die Ablehnung steigt tendenziell bis zum Alter von 62 auf 82 Prozent, obwohl gerade die älteren Jahrgänge gar nicht von einer solchen Anhebung betroffen wären, da für sie überwiegend die Rente spätestens ab 67 gilt.

Auch keine Wählergruppe ist laut Umfrage mehrheitlich für eine Erhöhung des Renteneintrittsalter. Die größte Zustimmung kommt von den Wählern der FDP (29 Prozent), gefolgt von den Grünen-Wählern (22 Prozent) und den Unions-Wählern (19 Prozent). „Angesichts dieser Stimmung in der Wählerschaft ist es sehr unwahrscheinlich, dass Politiker tatsächlich den Mut finden werden, eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters ernsthaft in Betracht ziehen, so plausibel die Argumente dafür auch sein mögen“, erklärt DIA-Sprecher Klaus Morgenstern.

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