MVP: Manuelle Datenpflege als Alarmsignal

Berater Digital

Bestand im Fokus

Die Makler wurden gefragt, ob sich die Versicherer bei begrenzten IT-Ressourcen eher auf den TAA-Prozess oder auf Prozesse zur Verwaltung von Bestandsdaten fokussieren sollten. Ein Drittel der befragten Makler gaben hier den Bestandsprozessen als oberste Priorität an, aber die Meinung der überwiegenden Mehrheit bringt ein Makler in seinem Kommentar direkt auf den Punkt: „Um vernünftig arbeiten zu können, benötigt man alles. Flickwerk hatte ich viele Jahrzehnte, bis heute! Es ist nicht einfach, über die Jahre verstreute Bestände (Pools, Versicherer, Assekuradeure) in ein funktionierendes System zu bekommen!“

Ein echtes Alarmsignal für die Branche ist die Antwort auf die Frage, wie die Datenaktualisierung im MVP-System erfolgt: 54% führen die Aktualisierung im eigenen System manuell durch, zwei Drittel der befragten Vermittler verwenden über 20 Stunden pro Monat auf die Datenpflege. „Argumente wie Datenschutz und -sicherheit entsprechen der Erwartungshaltung, alle Daten eigenverantwortlich zu verwalten und entsprechen nicht mehr den aktuellen Gepflogenheiten in der Datenverarbeitung. Weitere Fragen der Studie haben gezeigt, dass den Maklern die Ursachenzusammenhänge des Datenclearings nicht bewusst sind, daher ist die Ablehnung eines kostenpflichtigen Dienstleisters nicht wirklich substanziiert“, konstatiert Henning Plagemann die Entwicklung.

Manuelle Anpassung als Anlass zur Sorge

„Der hohe Anteil der manuellen Anpassung gibt Anlass zur Besorgnis“, gibt Friedel Rohde zu bedenken. „In diesem Fall haben die Makler keine Möglichkeiten zum automatischen Datenclearing. Auch wenn dieser Bestand mit Hilfe von BiPRO-Services versorgt werden kann, ist eine wirkliche Erleichterung in der Verwaltungsarbeit nicht gegeben. Abhilfe,“ so ergänzt Rohde, „kann ein externer Dienstleister schaffen oder eben ein Pool, der das Datenclearing auf seinen Systemen bereits erfolgreich umgesetzt hat. Da eine Verbesserung der Qualität von GDV-Daten nicht mehr zu erwarten ist,“ folgert Rohde,“ kann in diesem Fall auch noch auf die Umsetzung der Bestandsnormen gesetzt werden, was jedoch erfahrungsgemäß bis zur branchenweiten Umsetzung noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird.“

„Sind die Daten und Dokumente im MVP, ist das erst die halbe Miete“, stellt Henning Plagemann fest. Abhängig von der Qualität der gelieferten Informationen können diese durch das MVP automatisch den zugehörigen Kunden / Verträgen / Vorgängen zugeordnet werden. „Oder eben auch nicht,“ bedauert Plagemann, „dann muss der Benutzer mühselig diese zunächst analysieren und die Zuordnung per Hand durchführen.“

Bei der Automatisierung der Dokumentenverarbeitung zeigt sich ein sehr positives Bild: Fast 78 % der von den Versicherungsunternehmen gelieferten Dokumente können automatisch den betroffenen Verträgen und Kunden zur vollsten Zufriedenheit der Anwender zugeordnet werden. Hier funktioniert die Automatisierung so, wie es mit Einführung der BiPRO-Normen beabsichtigt gewesen ist. Nur bei 8,7 % der Versicherungsunternehmen ist das Ergebnis nicht zufriedenstellend (Note 4 oder schlechter). Die Bemühungen der Versicherer, die Qualität der Datenlieferungen stetig zu verbessern, tragen sichtbare Früchte und führen zu positiven Nutzungserlebnissen der Anwender.

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