Krankentagegeld: Anspruch auch im Ausland?

Berater Recht & Haftung Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Versicherer können Krankentagegeld kürzen, wenn der Kunde krank ins Ausland reist. Nicht so bei Holger Badstuber, dem Fußballprofi und Ex-Bayern. Warum andere Kunden von seinem Urteil dennoch nicht profitieren und worauf Makler achten sollten.

Im Münchener Justizpalast sind Teile des Landgerichts München I untergebracht. Das Gericht bescherte einem Versicherten Krankentagegeld trotz Auslandsaufenthalt. Bild: Justizministerium Bayern

Der Fußballprofi Holger Badstuber, früher bei Bayern München und heute beim VfB Stuttgart unter Vertrag, war häufig und oft langwierig verletzt. Rund 650 Tage hatte er in den vergangenen fünf Jahren verletzungsbedingt gefehlt. Seine Krankentagegeld-Versicherung (KTG), abgeschlossen bei der DKV, zahlte den Großteil des Ausfalls.

Nicht aber für 27 Tage, an denen Badstuber im Ausland weilte. Grund: Nach den Versicherungsbedingungen müsse die Versicherung nicht zahlen, wenn sich die versicherte Person bei Arbeitsunfähigkeit „nicht an ihrem Wohnsitz in Deutschland aufhält“ (Paragraf 5 MB/KT 78 und 94) oder „nicht an ihrem gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland aufhält“ (Paragraf 5 MB/KT 2009).

Für Badstuber war klar, dass er durch die Verletzungen an jenen Tagen nicht trainieren oder am Spielbetrieb hätte teilnehmen können. Er hatte auch ein ärztliches Attest vorgelegt. Doch die DKV blieb stur und verweigerte die Zahlung von rund 28.000 Euro. Badstuber zog vor Gericht und gewann. „Das Konstrukt ist überholt“, erklärte die Vorsitzende Richterin vor dem Landgericht München I und sprach Badstuber mit Urteil vom 29. Oktober 2019 das eingeklagte Geld zu (Az.: 12 O 19287/18).

Begründung: Die Versicherungsbedingungen stammen aus einer Zeit, als es noch keine Handys gab und die Versicherten im Ausland nicht überall und zu jeder Zeit erreichbar waren, so die Richterin weiter. Damals hätte es ein gerechtfertigtes Interesse gegeben, solche Fälle von der Leistungspflicht auszuschließen. Doch die Forderung, dass sich ein Versicherter nach Anruf binnen drei Tagen bei einem Arzt untersuchen lassen müsse, lasse sich in heutigen Zeiten leicht erfüllen, so das Gericht.

Gerichte bisher auf Seiten der Versicherer

Rechtsanwalt Lars Getschmann von der Kanzlei Kelm – Maidaikina Rechtsanwälte Partnerschaft mbB in Berlin hat Badstuber vertreten. Er wertet die Entscheidung als Erfolg. „Der Bundesgerichtshof (BGH) hat sich mit diesen Klauseln bisher nie befasst und die Instanzgerichte haben sie bisher nicht verworfen: Entweder erklärten sie die Klauseln ausdrücklich für wirksam, ließen die Wirksamkeit offen oder behalfen sich mit dem Grundsatz von Treu und Glauben“, so der Fachanwalt für Versicherungsrecht.

Damit spielten die Gerichte einseitig den Interessen der Versicherer an Kontrollen des Erkrankten in die Karten. „Die angefochtene Klausel bemüht sich nicht um den Ausgleich verschiedener legitimer Interessen – auch der arbeitsunfähig kranke Versicherte kann jenseits eines akuten Notfalls und einer stationären Behandlung ein berechtigtes Interesse daran haben, nicht an seinem Wohnsitz/gewöhnlichen Aufenthaltsort zu sein“, erklärt Getschmann.

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