InsurTech: „Mehr Berlin geht kaum in München“

Versicherungen Digital von Michael Fiedler

München hat mit InsurTechs weiter Erfolg, Konkurrent Berlin zieht mit und Hamburg spielt mit der fintechweek in seiner eigenen Liga.

Hauptstädte der InsurTech Branche: München, Berlin und Hamburg

Am 04.11. startete die Fintech Week in Hamburg. Bild: procontra

Während procontra im letzten Jahr mit Blick auf München noch die Frage stellte: „Lohnt das InsurTech Hub?“, kann diese ein Jahr später mit einem definitiven Ja beantwortet werden. Das 2017 gegründete siebenköpfige Expertennetzwerk um Manuel Holzhauer InsurTech Hub Munich (ITHM) hat schon einige Erfolge vorzuweisen und zeigte sich umtriebig. So wurden strategische Partnerschaften mit dem niederländischen Verband der Versicherer und mit dem Mobile-Security-Partner Build38 geschlossen, was die Handschrift von Christian Gnam erkennen lässt, der seit Januar dieses Jahres als Director Partner Management den operativen Aufbau, die Skalierung des Hubs sowie die Akquise neuer Mitgliedsunternehmen verantwortet.

Unterstützt wird der Hub dabei von ortsansässigen Versicherern wie die Allianz, die Bayerische oder die LV1871, alles große Namen, die sich die Digitalisierung auf die Fahne geschrieben haben und damit ihre starke Marktposition weiter ausbauen wollen. Die Idee des ITHM ist es, Startups ausfindig zu machen, die auf dem ersten Blick mit Versicherung nichts zu tun haben und daraus disruptive Ansätze für die Assekuranz zu entwickeln, fasst Kollegin Regina Bruckschlögl vom Webblog „Munich Startup“ den Auftrag treffend zusammen.

Die Bayernmetropole konkurriert dabei vor allem mit dem großen Fintech-Mekka Berlin. „Mehr Berlin geht kaum in München“ lässt das ITHM-Team mit Blick auf seine trendige Lage am Münchner Ostbahnhof verlautbaren. Gemäß Dynamic Cities Index, dem Städteranking von Savills Investment Management kletterte München von Platz 7 auf 6, während Berlin ebenfalls einen Zähler weiter nach oben auf Rang 4 rückte und damit seinen Vorsprung gegenüber München aufrechterhalten konnte. In zwei Unterkategorien hat München allerdings die Nase vorn: Auf dem Gebiet Inklusion, das die Vielfalt der Metropole ausdrückt, schlägt München seinen Konkurrenten überraschend mit 86 zu 81 Zählern. Auch im Bereich „Investment“ vermag München die Hauptstadt mit 70 zu 68 Punkten zu übertreffen.

„München hat frühzeitig auf Zukunftsthemen wie Digitalisierung und Umwelttechnik gesetzt und so neben den bereits etablierten Industriefeldern wie Automotive sowie Luft- und Raumfahrt zusätzliche Standbeine geschaffen“, erklärt Andreas Trumpp, Head of Research bei Savills IM den Erfolg. Die erfolgreiche Vernetzung dokumentieren Münchener InsurTechs wie anorak, Kasko oder medicus.ai. Auch der an der Isar ansässige InsurTech-Finanzierer Deutsche Handelsbank wächst weiter. Dessen Gesamtkreditvolumen stieg auf mehr als 300 Millionen Euro. Aber – Nachtigall, ick hör Dir trappsen: „Neben der Münchener Zentrale ist die Bank inzwischen auch am Standort Berlin vertreten“, meldete die Deutsche Handelsbank in ihrer letzten Pressemitteilung.

Hamburg mit größter Fintech-Veranstaltung

Doch der intensive Blick auf München und Berlin sollte nicht jenen auf Hamburg verstellen. Die Elbmetropole kann in Sachen InsurTechs durchaus mithalten. So ist u.a. die InsurTech Werft beheimatet, wo Entscheider und Tech-Spezialisten Hand-in-Hand-Produkte für den sofortigen Einsatz entwickeln.

Und just an diesem Montag startete die Fintech Week in Hamburg. Dabei handelt es sich um die größte Fintech-Veranstaltung in Deutschland. Rund 1.500 Besucher aus den Bereichen Banken und Versicherungen haben zwischen 04. Und 09. November Gelegenheit, an etwa 30 Veranstaltungen teilzunehmen.
„Es reicht nicht mehr, darüber zu sprechen, dass es einen Umbruch in der Finanzbranche gibt. Wir müssen diskutieren, wie dieser Umbruch aussieht und wie man konkret damit umgeht“, fasst Gründer und Geschäftsführer Clas Beese die Zielsetzung der Fintech Week 2019 zusammen.

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