„Für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit im Markt“

Berater von Stefan Terliesner

procontra sprach mit Michael Hauer, Professor für Finanzmärkte und Financial Planning und Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung über Online-Vergleichsrechner und was das eigene Tool für Vermittler so interessant macht.

Michael Hauer

Michael Hauer, Professor für Finanzmärkte und Financial Planning und Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP), über Online-Vergleichsrechner. Bild: IVFP

procontra: Es gibt viele Online-Vergleichsrechner. Wieso hat das IVFP "Fairgleichen.net" entwickelt?

Hauer: Die Anwendungen im Markt fokussieren sich fast ausschließlich auf den Vergleich anhand von Ablauf- und Rentenleistungen. Insbesondere bei fondsgebundenen Tarifen mit Garantieelementen, ist dies fast immer ein Vergleich von „Äpfeln mit Birnen“, also fehlerhaft. Das IVFP hat dazu Modellrechnungen auf seiner Homepage veröffentlicht. Fairgleichen.net bietet eine Vergleichsalternative, die anhand qualitativer Tarifmerkmale eine Produktauswahl ermöglicht.

procontra: Was ist das Besondere und was das „Faire“ an Ihrem Werkzeug?

Hauer: Es ist eine Plattform ohne Anmeldehürden mit der ein kostenfreier Abgleich von Tarifeigenschaften mit den Kundenwünschen und -bedürfnissen durchgeführt werden kann. Vermittler erlangen einen umfassenden Marktüberblick und können die in Frage kommenden Tarife sehr schnell auf ein für die Beratung geeignetes Maß einschränken. Zusätzlich steckt das Rating-Know-how inklusive der Tarifbewertungen des IVFP in der Anwendung. Die Ratingurteile können für die Tarifauswahl mit herangezogen werden.

procontra: Und wieso wird das Tool „Vergleichsrechner auf Mitmachbasis“ genannt?

Hauer: Es setzt auf einem aus dem Silicon Valley stammenden Ansatz eines Minimum Viable Products. Dabei wird zunächst eine kleine Version auf den Markt gebracht, die anschließend, basierend auf dem Anwenderfeedback, weiterentwickelt wird.

procontra: Wie funktioniert das?

Hauer: Zum einen ist es möglich direkt Anwenderfeedback abzugeben. Kommt eine Anforderung häufig vor, wird diese umgesetzt. Zum anderen führt das IVFP Umfragen bei Vermittlern durch. Die Ergebnisse fließen ebenfalls direkt in die Weiterentwicklung ein. Zusätzlich gibt es kurze Weiterentwicklungszyklen von nur zwei Wochen bis zum nächsten Update der Anwendung. Dadurch geht die Weiterentwicklung extrem schnell voran. Mittlerweile sind in der Anwendung weit über 100 Riester-, Basis- und private Rentenversicherungsprodukte von 25 Anbietern enthalten. Und es werden laufend weitere Tarife, Anbieter, Filtermöglichkeiten und Anwendungsfunktionen integriert. Kurzfristig werden zusätzlich die bAV-Direktversicherungstarife dazukommen.

procontra: Wie finanziert sich der Rechner?

Hauer: Als unabhängiges Analysehaus bewerten wir seit über zehn Jahre Produkte im Lebens- und Krankenversicherungsbereich anhand von umfassenden Produktkriterien und bilden daraus ein Ratingurteil. Dadurch liegen tausende Tarifdaten vor. Über eine Internet-Schnittstelle werden diese Daten in Echtzeit fairgleichen.net zur Verfügung gestellt. Die Kosten werden vom IVFP getragen. Das Institut sieht mehr Transparenz und Vergleichbarkeit im Markt als seine Aufgabe an.

procontra: Also ist fairgleichen.net jetzt unabhängig oder nicht?

Hauer: Das IVFP ist ein inhabergeführtes Unternehmen, dessen oberste Prämisse die Unabhängigkeit ist. Die Plattform, als Anwendung des IVFP, ist daher neutral und unabhängig.

procontra: Welche Produkte lassen sich mit dem Rechner vergleichen?

Hauer: Die Anwendung enthält vorrangig Tarife, die von Maklern vermittelt werden können. Aktuell sind somit 111 private Rentenversicherungen, Riester- und Basisrenten enthalten. Die Tarifanzahl erhöht sich beständig.

procontra: Fonds- und Indexpolicen gelten als intransparent. Welchen Beitrag leistet Ihr Rechner hier?

Hauer: Aufgrund des Niedrigzinszeitalters werden diese Produktgattungen bei Vermittlern und Verbrauchern immer beliebter. Fondspolicen bieten die Chance auf hohe Renditen bei einem höheren Risiko. Indexpolicen sind näher an den klassischen Produkten und bieten die Chance auf eine etwas höhere Rendite bei moderatem zusätzlichem Risiko. Um für jeden Anlegertyp die passende Gattung anzubieten, werden daher Fonds- und Indexpolicen dringend benötigt. Das IVFP als der Spezialist für Fonds- und Indexpolicen hat in der aktuellen Version der Plattform bereits viele Details speziell zu diesen Produktgattungen integriert, mit Hilfe derer Vermittler die Tarife vergleichen können.

procontra: Gibt es bei Ihren Ergebnissen Unterschiede zu anderen Rechnern?

Hauer: Die Ergebnisse kommen nicht durch Ablaufleistungsrankings zustande. Bei anderen Vergleichsrechnern bekommen Sie ein Ranking anhand nicht vergleichbarer Ablaufleistungen, wie oben bereits beschrieben. Auf diesen fehlerhaften Ausweis von Ablaufleistungen verzichtet fairgleichen.net vollständig und konzentrieren sich auf die Ausgestaltung des Tarifs. Anhand von Tarifmerkmalen wie Anlagemöglichkeiten, Todesfallleistungen, Indexauswahlmöglichkeiten, Ratingergebnis etc. können die Tarife verglichen werden.

procontra: Wie sind ihre Pläne mit fairgleichen.net?

Hauer: Aktuell wird die Anwendung um weitere Tarife, Funktionen und Filtermöglichkeiten erweitert und dabei werden die Wünsche der Anwender integriert. Parallel arbeitet das IVFP an der zusätzlichen quantitativen Vergleichbarkeit, aber in Form von simulationsbasierten Werten. Damit wird es bald möglich sein zusätzlich in fairgleichen.net realistische Ablaufleistungen auszuweisen und zu vergleichen. 

Mehr Informationen zu Vergleichsrechnern gibt es im profino Webinar „Vergleichsrechner: Vorgänge automatisieren, statt nur vergleichen“.

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