„Die Zielgruppe möchte keine Universaldilettanten“

Berater Top News von Martin Thaler

Existenzbedrohende Ansprüche

Auch wenn die spezifischen Risiken von Beruf zu Beruf unterschiedlich sind, gibt es im Hinblick auf den Versicherungsschutz bei den einzelnen Kammerberufen jedoch Gemeinsamkeiten. Unerlässlich – weil oftmals auch gesetzlich vorgeschrieben – ist die Berufshaftpflichtversicherung. Unter anderem Ärzte sind berufsrechtlich dazu verpflichtet, sich gegen Behandlungsfehler und damit verbundene Entschädigungsforderungen abzusichern. „Die Höhe der Ansprüche können für Ärzte schnell existenzbedrohend werden“, sagt Carsten Lutz, Leiter Produktmanagement Haftpflicht Heilwesen bei HDI. In den vergangenen Jahren seien die Schadenssummen je Schaden zudem „deutlich angestiegen“, wie Lutz bemerkt – bedingt unter anderem durch steigende Heilbehandlungskosten sowie die höhere Lebenserwartung der Betroffenen.

Damit Ärzte auf der sicheren Seite sind, sollten Makler unbedingt auf eine ausreichende Versicherungssumme (5 Millionen Euro) achten, rät Lutz. Auch berufliche Änderungen sollten stets Anlass für eine Überprüfung des Versicherungsschutzes bieten. So war in der Vergangenheit beispielsweise der sogenannte Off-Label-Use von Medikamenten nicht standardmäßig im Versicherungsschutz eingeschlossen. Auch die Absicherung von Cyber-Risiken ist für Ärzte, Apotheker und andere Kammerberufe von hoher Bedeutung. Patientenbriefe, Gutachten, Abrechnungen – sensible Daten sind in den Systemen von Ärzten und Apothekern gespeichert. Zudem können Cyber-Attacken für Ärzte und Apotheker schnell eine strafrechtliche Bedeutung bekommen. Gemäß DSGVO sind sie nämlich verpflichtet Cyber-Vorfälle, egal wie geringfügig, innerhalb von 72 Stunden bei den zuständigen Aufsichtsbehörden zu melden. „Sie schaffen es in dieser Frist aber nicht, da sie beruflich zu sehr eingebunden sind“, sagt Jeinsen. „Und so wird der kleinste Cyber-Vorfall aufgrund der Nichteinhaltung der Obliegenheiten zum Straftatbestand. Apotheker haben nicht in erster Linie Angst vor den finanziellen Schäden einer Cyber-Attacke, sondern vor der Staatsanwaltschaft im Haus.“ Benötigt werde also eine Police, die eine permanente Verfügbarkeit externer Experten beinhalte (IT-Forensiker, Rechtsdienstleister, Lettershop).

Versorgungswerke fahren Leistungen zurück

Beratungsansätze bei Kammerberufen gibt es nicht nur im beruflichen, sondern gerade auch im privaten Bereich. Hier sind die Kammerberufe nämlich über Versorgungswerke plichtversorgt. Insgesamt 90 verschiedene Versorgungswerke gibt es derzeit – meistens aufgeteilt nach Bundesländern und Berufsständen. Kaum einer kennt die verschiedenen Regelwerke namens Satzungen wohl so gut wie der Berliner Makler Lars Christiansen, der sich mit seinem Beratungsunternehmen GINKGO CONCEPT auf Zielgruppenanalysen spezialisiert hat. Er weiß: „Bei der Arbeitskraftabsicherung und Hinterbliebenenversorgung haben die Versorgungswerke zuletzt deutlich ihre Leistungen zurückgefahren.“ So standen allen berufstätigen Ärzten 2015 gerade einmal 0,6 Prozent Leistungsempfänger einer Berufsunfähigkeitsrente entgegen. Die Zahl der berufsunfähigen Ärzte liege aber weit höher, schätzt Christiansen. Die niedrige Zahl der anerkannten Leistungsfälle liege in zahlreichen Hürden begründet, die in den Satzungen der Versorgungswerke festgeschrieben sind. Beispiel: Die Feststellung der Berufsunfähigkeit kann häufig nur durch einen vom Versorgungswerk berufenen und somit gebundenen Arzt erfolgen.

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