Die "Schönheitsfehler" von ETFs

Investmentfonds von Mariam Misakian

Sind passive ETFs immer den aktiv verwalteten Fonds gegenüber vorzuziehen? Auch ETFs haben ihre "Schönheitsfehler". Welche das sind und wann sich welche Fonds lohnen.

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„In der Vergangenheit konnten viele Manager mit ihrer Fondsperformance nicht überzeugen“, sagt Heike Fürpaß-Peter (Lyxor). Spricht das in jedem Fall gegen aktiv verwaltete Fonds? Bild: Eriy Otmg / Lyxor

Wer dieser Tage auf Internetforen und Investmenttipp-Blogs unterwegs ist, könnte meinen, aktiv gemanagte Fonds haben ausgedient. Die Argumente leuchten ein: Fonds sind teuer und tun nicht, was sie versprechen. Als 2018 die Märkte einbrachen, haben es nur wenige geschafft, die Verluste auszugleichen. ETFs werden dagegen als der Stein der Weisen angepriesen. Wer mit Indexfonds auf Marktdynamik vertraut anstatt auf einen Fondsmanager, habe langfristig die besseren Karten, lautet die Devise. Die Wahrheit ist natürlich komplizierter. Und so schlagen beide Lager längst versöhnliche Töne an, wenn es um den Wettstreit zwischen ETFs und aktiv gemanagten Fonds geht. Der Tenor: Beide Instrumente gehören ins Portfolio. Berater sollten Anlegern also Stärken und Schwächen von Aktiv und Passiv präsentieren und dann geschickt kombinieren.

Natürlich: In den vergangenen Jahren haben ETFs einen Boom erlebt. Das Gesamtvolumen passiver Investmentfonds in Europa hat sich laut Morningstar-Statistik seit dem Jahr 2010 mehr als verdreifacht und lag Ende 2018 bei nahezu 1,5 Billionen Euro. Anbieter klassischer Investmentfonds haben den Trend längst gewittert – deshalb fahren einige Fondsgesellschaften inzwischen zweigleisig und haben neben klassischen Investmentfonds auch ETFs im Angebot. Zu den größten Doppel-Anbietern gehören DWS, Amundi und UBS.

Kosten als Renditekiller

ETF-Anbieter argumentieren gerne, dass es einem Großteil der Manager aktiv verwalteter Investmentfonds nicht gelingt, die eigenen Ziele zu erreichen. „In der Vergangenheit konnten viele Manager mit ihrer Fondsperformance nicht überzeugen“, sagt etwa Heike Fürpaß-Peter, Leiterin des ETF-Geschäfts beim Vermögensverwalter Lyxor in Deutschland und Österreich. Das Tochterunternehmen der französischen Großbank Société Générale vergleicht jedes Jahr in einer Studie die Performance aktiver und passiver Fonds miteinander. Es ist ein Punktsieg für die Indexfonds: Schon im Traum-Börsenjahr 2017 schafften es nur 47 Prozent der Manager von aktiv verwalteten Aktienfonds ihren Vergleichsindex zu schlagen. In einem schwachen Börsenjahr wie 2018 waren es sogar nur 27 Prozent.

Experten begründen das schlechte Abschneiden häufig mit den hohen Kosten. Bei einem aktiv verwalteten Fonds müssen Investoren mit Gebühren von 1,5 bis 2,0 Prozent pro Jahr rechnen, bei passiven Fonds liegen diese meist bei um die 0,3 Prozent. Das setzt die aktiven Manager unter einen enormen Druck: Sie müssen den Markt um 1,2 Prozent schlagen, um mit einem ETF gleichzuziehen. Das könnte die starken Zuflüsse in Richtung passiver Fonds erklären: „Viele Investoren akzeptieren die hohen Managergebühren nicht mehr für eine potenzielle Chance, den Index zu übertreffen,“ sagt Fürpaß-Peter.

Ein weiterer Trumpf, den Befürworter passiver Fonds immer wieder ausspielen, ist die langfristig positive Entwicklung der Aktienmärkte. Das Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts zeigt: Wer beispielsweise 2003 Aktien des deutschen Aktienindex DAX 30 gekauft hätte, hätte bis 2017 jährlich eine durchschnittliche Rendite von 6,7 Prozent einfahren können, trotz zwischenzeitlicher Konjunkturschwächen und der Finanzkrise. Viele Ökonomen sind sich einig, dass Aktien in besonders effizienten Märkten nur im Ausnahmefall unterbewertet oder überbewertet sind. Dadurch sei es eben nahezu unmöglich, den Markt zu schlagen. Auch Thomas Meyer zu Drewer vertritt diese These. „Bevor der Fondsmanager eine Anomalität in bare Münze umsetzen kann, ist sie mitunter schon verschwunden“, argumentiert der Leiter von ComStage ETFs. Wer dagegen in einen breit gestreuten Index wie den MSCI-World investiere, habe langfristig gute Chancen auf positive Erträge.

ETFs haben noch einen Vorteil gegenüber aktiv gemanagten Fonds: Sie sind schneller handelbar. Möchte ein Investor seinen aktiv verwalteten Fonds verkaufen oder einen neuen in sein Portfolio aufnehmen, so geht das nur ein Mal am Tag. ETF-Anleger handeln dagegen während des gesamten Börsentags über verschiedene Market-Maker – und das zum jeweils aktuellen Kurs. „ETF-Anleger können schnell auf Markttrends reagieren und ihre Fonds auch für kurzfristige Handelsideen nutzen“, verspricht Meyer zu Drewer.

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