„Der Markt für Gesundheits-Apps entwickelt sich definitiv“

Megatrend Gesundheit von Johannes Gulden

Zahlreiche Apps bieten den Bundesbürgern Hilfestellung beim Thema Gesundheit an. Doch was können die Apps überhaupt und wie sinnvoll sind sie? procontra sprach hierüber mit E-Health-Experte Dr. Alexander Schachinger.

Apps Wearables Datenschutz Gesundheit

E-Health-Experte Dr. Alexander Schachinger im Gpröch mit procontra über Apps und Wearables und Datenschutz. Bild: EPatient Analytics GmbH

procontra: Was können Gesundheits-Apps zum persönlichen Wohlbefinden beitragen?

Dr. Alexander Schachinger: Es gibt natürlich erstmal Lifestyle-Apps, die in erster Linie Spaß bereiten sollen. Zum anderen gibt es aber auch „ernste“ Apps, die auf wissenschaftlichen Studien beruhen und bei der Prävention von Krankheiten Anwendung finden. Auch beim Screening von Krankheiten finden Apps immer häufiger Verwendung, so lassen sich beispielsweise Herz-Rhythmus-Störungen per Handykamera sowie integriertem Kamerablitz erkennen.
Darüber hinaus ist ein Bedeutungszuwachs im Bereich der Prävention feststellbar. Diese Apps sind in erster Linie darauf zugeschnitten, Bewegungs- bzw. Verhaltensdaten zu sammeln und diese mit einem Coaching-Ansatz zu verbinden. Die App gibt also Tipps, wie der User sein Leben gesünder gestalten kann. Diese Apps werden häufig auch von den privaten Krankenversicherern, den Krankenkassen oder im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements von den Unternehmen gefördert. Diese Apps besitzen durchaus einen Wert für den User – dies wird mittlerweile auch von immer mehr Studien unterstrichen.

Wer nutzt Apps und Wearables?

procontra: Wen kann man mit solchen Angeboten denn erreichen?

Schachinger: Es sind derzeit tendenziell die gesunden, engagierten Städter, die solche Angebote nutzen. Die Risikogruppen sind aktuell eher weniger die Kernnutzer. Allerdings ist festzustellen, dass die Nutzung von Wearables und Gesundheits-Apps immer weiter in die Gesellschaft hineinwächst.

procontra: Wie hat sich der Markt für Gesundheits-Apps in den vergangenen Jahren entwickelt?

Schachinger: Gesundheits-Apps gibt es schon seit etlichen Jahren auf dem Markt aber lange Zeit galten sie schlicht und einfach als „Rohrkrepierer“, die höchstens ein paar hundert- oder tausendmal heruntergeladen wurden. In den letzten drei, vier Jahren sind aber Initiativen feststellbar, die bei der Entwicklung von Gesundheits-Apps wirklich Geld in die Hand nehmen und auch mittels klinischer Studien die Wirksamkeit der Apps testen lassen. Zum anderen ist mittlerweile auch auf der Nachfrage-Seite ein Bewusstseinswandel feststellbar. Die Versicherer und Krankenkassen bieten immer mehr Apps im Rahmen ihrer Bonusprogramme an, mit denen gesundheitsbewusstes Verhalten gefördert werden kann. Zu sehen ist das beispiels bei der Generali oder der AOK Nordost im Rahmen von Bonusprogrammen verschiedenster Art aber auch im Rahmen der zunehmenden Erstattung von digitalen Versorgungslösungen für Gesunde wie auch für Patienten. Der Markt der Gesundheits-Apps entwickelt sich definitiv.

procontra: Wie findet man denn als Laie unter den zahlreichen Apps eine qualitativ hochwertige, die tatsächlich für die Gesundheit förderlich ist?

Schachinger: Ein starkes Indiz dafür, dass es sich bei der App um ein wertiges Angebot handelt, ist häufig, wenn der App-Anbieter bereits mit einer Krankenkasse, einem privaten Versicherer oder aber einer Uni-Klinik zusammenarbeiten. Dies lässt sich für den Kunden auf den Homepages der Anbieter nachlesen. Oftmals werden diese Lösungen bzw. Kooperationen auch von Krankenkassen kommuniziert und bieten dem Kunden somit ein erstes Qualitätssiegel.

Wie steht es um den Datenschutz

procontra: Keine Daten sind wohl so sensibel wie die eigenen Gesundheitsdaten. Muss sich der User hier Sorgen machen?

Schachinger: In der Regel bleiben bei den Anbietern die Daten des Users auf den internen Servern in Deutschland. Es kann vorkommen, dass diese Daten anonymisiert oder pseudonymisiert für die weitere Forschung verwendet werden. Umfragen haben aber ergeben, dass der Großteil der User dies auch als unproblematisch einstuft.

procontra: Werden denn die Apps den Arztbesuch mittelfristig überflüssig machen?

Schachinger: Nein, das werden sie nicht. Sie können gerade im Bereich der Prävention ergänzend wirken, den Arzt und dessen Fachkompetenz aber nicht ersetzen. Allerdings sind die Fachkräfte, also der Arzt, der Physiotherapeut oder die Diabetes-Schwester im Rahmen von Online-Konsultationen immer häufiger eingebunden.

Über den Interviewpartner: Dr. Alexander Schachinger ist Geschäftsführer der EPatient Analytics GmbH

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