Cyberangriffe: Dramatische Zunahme und Rekordschäden

Digital Berater von Michael Fiedler

Die Cyberangriffe auf Unternehmen haben dramatisch zugenommen. Jährlicher Gesamtschaden: 102,9 Milliarden Euro. Über häufige Delikte und geeigneten Schutz.

Zunahme Cyberangriffe auf Unternehmen

Die Cyberangriffe auf Unternehmen haben dramatisch zugenommen. Bild: iStock/gorodenkoff

Sabotage, Datenklau oder Spionage sorgen für Rekordschäden bei deutschen Unternehmen. Jährlich würde der deutschen Wirtschaft durch analoge und digitale Angriffe ein Gesamtschaden von 102,9 Milliarden Euro entstehen, so das Ergebnis einer Bitkom-Studie. Damit hat sich die Schadenhöhe in den vergangen zwei Jahren fast verdoppelt (2016/2017: 55 Milliarden Euro p.a.).

„Umfang und Qualität der Angriffe auf Unternehmen haben dramatisch zugenommen“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg. Der Digitalverband hat Unternehmen repräsentativ über alle Branchen befragt. Ein Ergebnis: Drei Viertel der Unternehmen (75 Prozent) waren in den vergangen beiden Jahren von Angriffen betroffen, weitere 13 Prozent vermuten dies. In den Jahren 2016/2017 wurde nur jedes zweite Unternehmen (53 Prozent) Opfer.

Insbesondere bei den digitalen Angriffen ist ein starker Zuwachs zu verzeichnen: 2017 gaben 43 Prozent der Unternehmen an, durch digitale Angriffe geschädigt worden zu sein. In der neuen Erhebung für 2018/2019 waren es 70 Prozent. Welche Delikte besonders häufig sind, zeigt die untenstehende Grafik.

Demnach berichtet jedes fünfte Unternehmen (21 Prozent), dass sensible digitale Daten abgeflossen sind, bei 17 Prozent wurden Informations- und Produktionssysteme oder Betriebsabläufe digital sabotiert. Bei jedem achten Unternehmen (13 Prozent) ist die digitale Kommunikation ausgespäht worden.
Es wird aber nach wie vor noch oft analog angegriffen. Bei einem Drittel der Unternehmen (32 Prozent) wurden IT- oder Telekommunikationsgeräte entwendet, sensible physische Dokumente, Maschinen oder Bauteile wurden bei jedem Sechsten gestohlen.

Cyberattacken werden zunehmen

Für die Zukunft prognostiziert eine breite Mehrheit der Unternehmen eine weitere Verschärfung der Sicherheitslage. 82 Prozent gehen davon aus, dass die Zahl der Cyberattacken auf ihr Unternehmen in den nächsten zwei Jahren zunehmen wird.

Effizienter Schutz: Mitarbeiter-Schulung

Ehemalige Mitarbeiter zählen zu den häufigsten Tätern. 33 Prozent der geschädigten Unternehmen geben an, von früheren Mitarbeitern vorsätzlich geschädigt worden zu sein. Ein knappes Viertel (23 Prozent) sieht vormals Beschäftigte in der Verantwortung, ohne ihnen ein absichtliches Fehlverhalten zu unterstellen.
Aber Mitarbeiter sind es auch, die überhaupt auf kriminelle Handlungen aufmerksam machen. 62 Prozent der betroffenen Unternehmen geben an, durch Mitarbeiter auf die Vorgänge hingewiesen worden zu sein. „Gut geschulte Mitarbeiter sind der effektivste Schutz. So lässt sich unbeabsichtigten Schäden vorbeugen, Angriffe von außen werden besser abgewehrt und sind sie doch erfolgreich, lässt sich schnell gegensteuern“, so Bitkom-Präsident Berg.

Versicherer haben Bedarf erkannt

Diese Zahlen sind auch ein Grund dafür, warum Versicherer in Cyberprodukten ein entscheidendes Wachstumsfeld sehen. Cyberpolicen werden zum Standardprogramm in der Gewerbe-Beratung. Dass bei Vermittlern und deren Kunden ein hoher Aufklärungsbedarf besteht, haben viele Anbieter erkannt. So sind Schulungen für Mitarbeiter bei neuen Cyberpolicen oft enthalten – zumindest als optionaler Baustein, z.B. bei Alte Leipziger, HDI oder auch Gothaer. Über die Plattform CyberDirekt können Mitarbeiterschulungen auch unabhängig vom Versicherungsabschluss gebucht werden.

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