BDVM: Keine Angst vor der digitalen Schlange

Digital Berater Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Die Befürchtung, dass die digitale Welle den Berufsstand der Versicherungsmakler wegspülen könnte, sieht der Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler (BDVM) nicht. Vielmehr würde die Insurtech-Entwicklung Makler in die Lage versetzen, sich wieder stärker der Beratung zu widmen.

Makler trotzen der Insurtech-Debatte und machen die „digitale Schlange“ zum Diener ihrer eigenen Arbeit, sagte York Hillegaart, Präsident des Maklerverbandes BDVM. Bild: Pohl

Der Hype um Insurtechs und Start-ups ist einer nüchternen, pragmatischen Normalität gewichen. Zunehmend würden Kooperationen gesucht, von denen auch die Makler profitieren. Die Digitalisierung ist im Maklerbüro angekommen, wenn man sie denn hereinlässt. Sinngemäß mit diesen Worten brach York Hillegaart, geschäftsführender Gesellschafter der Funk-Gruppe Hamburg und scheidender Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungs-Makler (BDVM), auf einer Fachtagung in Hamburg eine Lanze dafür, die Digitalisierung zum Diener der Maklerarbeit zu machen.

Der von manchen Experten befürchtete Untergang des klassischen Vertriebs von Versicherungen sei ausgeblieben. Im Gegenteil: Nach der Vertriebswege-Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat er sich gut gegen alle Formen des Direktvertriebs behauptet und insgesamt Marktanteile – außer in Kfz – ausbauen können, erinnerte Hillegaart. Der Direktvertrieb habe sich nur bei Krankenversicherungen leicht erhöht (procontra berichtete). Von Disruption des klassischen Vertriebs, also Unterbrechung, Störung, Bruch, Unordnung oder Zerstörung, könne keine Rede sein, erklärte der BDVM-Präsident.

Klassischer Vertrieb geht nicht unter

Zu dieser Erkenntnis kamen auch Fachleute auf der weltgrößten Versicherungskonferenz Insur Tech Connect (ITC), die im September in Las Vegas stattfand und an der Hillegaart teilnahm. „Der Begriff Disruption hat an übergeordneter Wirkungsmacht verloren“, sagte Hillegaart, der im Hauptberuf Gesellschafter des größten inhabergeführten Versicherungsmaklers und Risikoberaters in Deutschland ist.

Viele Insurtech-Start-ups hätten mittlerweile ihre Geschäftsmodelle deutlich modifiziert - weg von der Idee des Disruptors oder Direktvertriebs und „hin zu einem Dienstleister für Dritte als Geschäftsunterstützer und Ermöglicher für Versicherer beziehungsweise Makler“, berichtete er. Hierzu hätten sich mittlerweile verschiedene Angebote herauskristallisiert, die gezielt ganz bestimmte Bedürfnisse abdecken. Dazu zählen Plattformen, Datenanreicherungs- und Datenerweiterungs-Systeme, Prozessunterstützung im Front- und Backoffice, Internet der Dinge, Schnittstellenbesetzung sowie Vertriebsunterstützung.

Dabei können Makler als Inhaber von Daten und Kundenbeziehungen – wenn sie die Chancen gezielt aufgreifen – zu den Gewinnern gehören. „So banal es klingen mag: Auch der Kunde von morgen wird froh sein einen menschlichen Ansprechpartner zu eher spröden Versicherungs- und Risk Management-Themen zu haben, der ihn unter Einbeziehung der digitalen Dimension als Scout durch das Dickicht der Möglichkeiten führt“, ist Hillegaart überzeugt (procontra berichtete).

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