5 bAV-Branchenlösungen: So richten KMU ihre Betriebsrente ein

KMU-Schutz Berater von Stefan Terliesner

Auch die Belegschaft einer Bäckerei sind potenzielle Kunden – vor allem für Verträge im Rahmen einer betrieblichen Altersversorgung (bAV). Weil Fachkräfte rar sind, locken Chefs hier mit attraktiven Konditionen.

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Startplatz klar? In fünf Schritten zur bAV-Lösung für den Handwerksbetrieb? Welche fünf Schritte das sein könnten. Bild: shutterstock.com

Fast jeder Versicherungsmakler hat die Chance auf deutlich mehr Geschäft. Der Hebel dafür: Kleine und mittlere Gewerbebetriebe, die nicht nur umfassenden Versicherungsschutz benötigen, sondern deren Mitarbeiter sehr häufig liebend gerne für eine Betriebsrente sparen möchten. Der Weg zur Belegschaft führt natürlich über den jeweiligen Chef (siehe dazu auch: „bAV in fünf Schritten“). Viele Türen stehen hier offen. Denn, aus Sicht eines Arbeitgebers ist die betriebliche Altersvorsorge ein kräftiges Zugpferd im Wettbewerb um motivierte und fähige Mitarbeiter. Daher sind mittlerweile viele Unternehmer bereit, ein entsprechendes Vorsorgesystem einzurichten. Besonders gravierend ist der Fachkräftemangel bei Bäckern und Fleischer. Gleichzeitig ist dies eine Zielgruppe, zu denen die meisten Makler wöchentlich Kontakt haben. Ein Erstgespräch sollte also machbar sein.

Extra-Leistungen vom Chef

Mit Blick auf den Fachkräftemangel haben Bäcker und Fleischer mit den Gewerkschaften Rahmentarifverträge mit speziellen Vereinbarungen über Arbeitgeberleistungen zu betrieblichen Altersvorsorge vereinbart. Hier geht es theoretisch um insgesamt rund 320.000 Beschäftigte. Makler, die bereits eine Kundenbeziehung zu dem einen oder anderen Chef eines Lebensmittelhandwerksbetriebs haben, eröffnet sich also ein erhebliches Cross-Selling-Potenzial. Das belegen die folgenden Zahlen: Ein Fleischer beschäftigte 2018 im Durchschnitt 11,7 Personen und erzielte 1,42 Millionen Euro Umsatz. Das geht aus dem Jahrbuch des Deutschen Fleischer Verbandes hervor. Im Bäckerhandwerk lag die durchschnittliche Mitarbeiterzahl nach Angaben dessen Zentralverbandes sogar bei 24,7 – ebenfalls mit der Tendenz leicht steigend. Der Umsatz je Betrieb erreichte 2018 rund 1,34 Millionen Euro.

Der Rahmenvertrag im Bäckerhandwerk zum Bespiel gilt für alle Betriebe, die Mitglied der Bäcker-Innung sind, und für alle Arbeitnehmer, die Mitglied der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten sind. So erhalten Beschäftigte jährlich eine Einmalzahlung des Arbeitgebers in Höhe von 80 Euro. In einigen Bundesländern bestehen weitere tarifliche Vereinbarungen, die über diese Leistung hinaus gehen. In Bayern beispielsweise zahlt ein Arbeitgeber einen Gesamtbeitrag von 380 Euro in die bAV ein. Die Einmalzahlung ist als Starhilfe ist ganz nett. Entscheidend für die Höhe einer Betriebsrente sind die regelmäßigen Einzahlungen über viele Jahre. Darauf haben alle Beschäftigte im Rahmen der sogenannten Entgeltumwandlung sogar einen Rechtsanspruch – ganz unabhängig von tariflichen Regelungen. Im Rahmen der Entgeltumwandlung fließt ein Teil des Bruttogehalts – also steuer- und sozialabgabenfrei – in eine Betriebsrente. Auch für Arbeitgeber hat das Verfahren finanzielle Vorteile.

Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung

Im Bäckerhandwerk ist der Anspruch auf Entgeltumwandlung tariflich definiert, und zwar auf mindestens 150 Euro bis zur Grenze des sozialversicherungspflichtigen Entgelts. Das heißt: Der Mindestumwandlungsbetrag im Jahr beträgt 150 Euro. Je nach Bundesland legen Arbeitgeber zusätzlich zum oben beschriebenen Einmalbeitrag bei einer Entgeltumwandlung nochmals zum Beispiel 80 Euro oben darauf. Generell sind die Konditionen der Rahmentarifverträge im Lebensmittelhandwerk durchaus attraktiv. Wichtig zu wissen: Später, bei der Auszahlung der Betriebsrente, sind Steuern und Sozialabgaben zu berücksichtigen, die im Alter aber deutlich niedriger sind als zu Erwerbszeiten.

Unabhängig von tarifvertraglichen Regelungen gibt es in etlichen Betrieben des Lebensmittelhandwerks Festlegungen zwischen Arbeitgeber und Belegschaft über die Ausgestaltung einer bAV – entweder in einem individuellen Arbeitsvertrag oder als Betriebsvereinbarung. Daher ist grundsätzlich jeder Betrieb für Makler unter Cross-Selling-Überlegungen interessant. Bevor ein Makler aber vor die Belegschaft eines Betriebes treten darf, muss er den Arbeitgeber von den Vorteilen einer bAV überzeugen. Das ist insofern keine unlösbare Aufgabe, weil Bäcker und Fleischer händeringend nach Fachkräften suchen. Auch das geht aus den aktuellen Jahresberichten der Verbände hervor. Und eine gute Betriebsrente ist auf jeden Fall ein schlagkräftiges Argument.

 

bAV in fünf Schritten

So richten Handwerker-Unternehmer eine Betriebsrente ein:

  1. Arbeitgeber muss der Einführung eine bAV zustimmen. Macht ein Arbeitnehmer seinen Anspruch auf Entgeltumwandlung gelten, muss der Arbeitgeber ihm einen Durchführungsweg anbieten.
  2. Möchte ein Arbeitgeber für viele Mitarbeiter eine bAV einführen – Vorteile: Kostendegression, Mengenrabatt – setzt er sich mit seinem Steuerberater, einem unabhängigen bAV-Berater und/oder einem bAV-Anbieter zusammen, um einen zum Betrieb passenden Kollektivvertrag zu gestalten.
  3. Vor der Belegschaft präsentiert ein (externer) Fachmann die Chancen und Risiken einer bAV aus Arbeitnehmersicht. Anschließend wird die zum Betrieb passende Lösung vorgestellt.
  4. In Einzelgesprächen werden offen Fragen geklärt und die bAV auf den Bedarf des jeweiligen Mitarbeiters abgestimmt. Im Idealfall wählen alle Mitarbeiter eine bAV.
  5. Das einmal gefundene bAV-Modell lässt sich an neue Rechtslagen anpassen. Bei Bedarf könnte in Folgegesprächen versucht werden, die Durchdringungsquote im Betrieb zu erhöhen.
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