Sportwette: Haftet die DFL für Schiri-Fehler?

Berater Recht & Haftung von Florian Burghardt

Muss die Deutsche Fußball Liga die Gewinne für Sportwetten ausbezahlen, wenn diese aufgrund von Schiedsrichter-Fehlentscheidungen nicht aufgehen? Mit dieser Frage musste sich das Nürnberger Amtsgericht beschäftigen.

Weil beim Spiel des 1. FC Nürnberg gegen Schalke 04 ein Tor aberkannt wurde, verklagte ein Mann die DFL auf Erstattung seines entgangenen Sportwetten-Gewinns. Genial oder Gaga?

Weil beim Spiel des 1. FC Nürnberg gegen Schalke 04 ein Tor aberkannt wurde, verklagte ein Mann die DFL auf Erstattung seines entgangenen Sportwetten-Gewinns. Genial oder Gaga? Bild: Pixabay

Die meisten Menschen, die schon mal eine Fußball-Sportwette abgeschlossen haben, kennen das Gefühl: Ein Gegentor in der Nachspielzeit verhagelt einem die Gewinnauszahlung oder trotz mehrerer hundertprozentiger Torchancen steht es am Ende 0:0 und die Wette platzt.

Nicht selten macht man für den unbefriedigenden Spielausgang den Schiedsrichter verantwortlich. Doch während dieser Groll bei fast allen Menschen schnell versiegt, wollte ein Mann aus Nürnberg den Verlust seines Wetteinsatzes nicht wahrhaben. Er verklagte die Deutsche Fußball Liga (DFL) vor dem Nürnberger Amtsgericht (Az.: 22 C 2823/19) auf Erstattung des ihm entgangenen Gewinns in Höhe von 190,97 Euro.

Nullnummer

Dem vorausgegangen war ein Spiel des 1. FC Nürnberg gegen Schalke 04. Der Mann hatte darauf gewettet, dass in der ersten Halbzeit mindestens ein Tor fallen würde. Seine Wette ging allerdings nicht auf, weil der Schiedsrichter ein Tor des Clubs aufgrund Stürmerfouls aberkannte. Aus Sicht des Mannes sei dieses aber regulär gewesen und der Schiedsrichter habe ihn somit um seinen Gewinn gebracht. Als verantwortliche Institution für den reibungslosen Ablauf des Spielbetriebs glaubte er deshalb eine Schadenersatzpflicht bei der DFL erkannt zu haben.

Eine Einschätzung, der das Amtsgericht schnell das Waser abgrub. So würde aus juristischer Sicht weder ein vertraglicher noch ein deliktischer Anspruch des Mannes gegen die DFL vorliegen. Letzterer könnte nur vorliegen, wenn der Schiedsrichter vorsätzlich das Spiel manipuliert hätte. Das hatte der Kläger aber auch nicht behauptet und zudem waren dafür keine Anzeichen ersichtlich. Folglich habe, wenn überhaupt, eine fahrlässige Fehlentscheidung vorgelegen, vor der kein Gesetz schützen könne.

In Bezug auf einen möglichen vertraglichen Anspruch erklärte das Gericht, dass Fehlentscheidungen des Schiedsrichters als auch Fehlhandlungen der Spieler zu einem reibungslosen Spielbetrieb dazugehörten. Sie seien in der Art und Weise des Spiels verankert und würden mit dazu beitragen, dass ein Spiel sprichwörtlich unkalkulierbar und deshalb überhaupt erst attraktiv für eine Wette werden würde. Der Schiedsrichter sei außerdem kein „Erfüllungsgehilfe des Wettanbieters“, der für eventuelle Fehler haften müsse. Deshalb erhielt der Mann kein Geld von der DFL.

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