Realzins-Studie: Deutsche legen ihr Geld zu Minus 1,32 Prozent an

Berater von Florian Burghardt

Obwohl Tagesgeld, Festgeld und Co. nahezu Null Zinsen bringen, halten die Deutschen an diesen Geldanlagen fest. Wie viel sie deshalb inflationsbedingt verloren haben, zeigt der Realzins-Radar der comdirect Bank.

Die deutschen lieben Sparbücher und Tagesgeldkonten – und verlieren damit konstant Geld.

Die deutschen lieben Sparbücher und Tagesgeldkonten – und verlieren damit konstant Geld. Bild: comdirect

Die Deutschen sind ein großes Sparer-Volk. Als „Anlageform“ für ihr Geld wählen sie allerdings immer noch sehr häufig Tagesgeldkonten oder Sparbücher. Jedoch bringen diese nahezu null Prozent Zinsen.

Immerhin nichts verloren, denken sich manche Freunde der sicheren Geldanlage. Doch die Inflation nagt konstant an diesen Spareinlagen. So verlor das gesparte Geld der Deutschen allein im dritten Quartal des laufenden Jahres 7,8 Milliarden Euro an Wert. In den vergangenen 12 Monaten sind es sogar rund 34 Milliarden Euro. Das geht aus dem aktuellen Realzins-Radar der comdirect Bank hervor. Dieser ermittelt auf Basis von Rohdaten der Deutschen Bundesbank, von destatis sowie der Europäischen Zentralbank den Realzins der deutschen Spareinlagen für „sichere“ Geldanlagen.

Dieser Realzins (Nominalzins abzüglich der Inflationsrate) lag im dritten Quartal 2019 bei minus 1,32 Prozent. Die durchschnittliche Verzinsung für Tagesgeld-, Festgeld- und Spareinlagen lag in den Monaten Juli, August und September gerade einmal bei 0,15 Prozent. Pro Bundesbürger bedeuten diese Zahlen einen Wertverlust von 94 Euro, allein im dritten Quartal.

Deutsche Sparer verlieren mehr als einmal Lettland

„Es ist dringend an der Zeit, dass eigene Sparverhalten zu überdenken – zumal die jüngsten Zins-Entscheidungen der Europäischen Zentralbank und auch die Äußerungen der künftigen EZB-Chefin Christine Lagarde ein Ende der Nullzinsphase aktuell nicht erkennen lassen“, mahnt Arno Walter, Vorstandsvorsitzender von comdirect. Schließlich sei, laut Walter, der Wertverlust für deutsche Sparer in den vergangenen zwölf Monaten höher als die jährliche Wirtschaftsleistung Lettlands.

Doch hierzulande sitzt der Sicherheitsgedanke immer noch tief beim Thema Geld. So flossen in den vergangenen 12 Monaten, laut Daten von comdirect, 124 Milliarden Euro auf Tagesgeld-, Festgeld und Girokonten sowie Spareinlagen. Ein Zuwachs der Sparbemühungen in Höhe von 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

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