Provisionsdeckel: Kurzfristige Einigung der Koalition?

Berater Recht & Haftung Top News Versicherungen von Detlef Pohl

Weitere Einnahmenverluste bei Vermittlern nicht hinnehmbar

Makler hatten in jüngerer Vergangenheit immer wieder beklagt, dass ihre Einnahmen bereits im Zuge des Lebensversicherungs-Reformgesetzes (LVRG) deutlich zurückgegangen seien. So konstatieren die im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) organisierten Versicherungsvermittler derzeit eine durchschnittliche LV-Vergütung von 2,76 Prozent. Weniger sei aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht zu verkraften.

Der Blick auf die ersten acht Monate des laufenden Jahres zeigt zumindest bei bei Maklern, die vorwiegend im Industrie- und Gewerbegeschäft tätig und im Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler (BDVM) organisiert sind: Fast 95 Prozent der 256 Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Gewinnsituation als gut oder befriedigend. Steigende Courtageeinnahmen melden der BDVM-Umfrage zufolge fast 55 Prozent, insbesondere in der Sachversicherung. „Im Leben-Bereich dagegen hat knapp ein Drittel sinkende Courtageeinnahmen gemeldet“, berichtete BDVM-Geschäftsführer Dr. Hans-Georg Jenssen gestern bei einem Fachgespräch in Hamburg.

Deckel brächte Makler an betriebswirtschaftliche Grenzen

Von einem Provisionsdeckel nach dem jetzigen Referentenentwurf wären fast 75 Prozent der Mitglieder spürbar betroffen, hat die Umfrage ergeben. 57 Prozent der BDVM-Mitgliedsfirmen fürchten nach eigener Aussage zwischen ein und zehn Prozent Einkommenseinbußen, weitere 17,2 Prozent sogar Rückgänge zwischen zehn und 20 Prozent. Jenssen wies darauf hin, dass die Einschätzung mit deutlichen Unsicherheiten behaftet ist: „Keiner der Befragten weiß, ob und wenn ja welchen Anteil er von den zusätzlichen 1,5 Prozentpunkten der an Qualitätskriterien angeknüpften Vergütung erhalten würde“.

Der BDVM lehnt den BMF-Vorschlag zum LV-Provisionsdeckel ab. Allenfalls sei ein differenzierendes Modell akzeptabel, das den Besonderheiten von Maklern Rechnung trägt. „Anders als die Ausschließlichkeitsorganisation eines Versicherers muss ein Versicherungsmakler als selbständiger Gewerbetreibender alle Aufwendungen zur Durchführung seines Geschäftsbetriebes – beispielsweise den Haftpflicht-Versicherungsschutz, die Maklerverwaltungsprogramme, die EDV-Einrichtungen – aus eigenen Mitteln finanzieren“, erinnerte Jenssen. Viele Betriebe kämen da schon ohne Deckel-Diskussion an ihre betriebswirtschaftlichen Grenzen (procontra berichtete).

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