Nachfolge aus der Not heraus

Berater Nachfolgeregelung Top News von Andreas Grimm

Nachfolge für das Maklerunternehmen oder einen geeigneten Käufer für den Bestand zu finden, ist allein schon schwierig genug. Muss jedoch kurzfristig aus einer Notlage heraus gehandelt werden, sind die Folgen mitunter dramatisch, wie Andreas Grimm im Gastbeitrag für procontra zeigt.

Resultate Institut Nachfolge Bestandsverkauf

Schlimmer geht immer: Wie verlustreich ein ungeplanter Bestandsverkauf sein kann, zeogt Andreas Grimm im Gastbeitrag für procontra. Bild: Resultate Institut

Es ist gutes halbes Jahr her, als mich der Geschäftsführer eines Maklerpools angerufen hatte, weil einer seiner Vertragspartner eine sehr tragische medizinische Diagnose erhalten hatte und möglichst kurzfristig eine Lösung für die Unternehmensnachfolge benötigte. Das Unternehmen oder den Bestand retten und in neue Hände überführen, damit der schwer erkrankte Makler seinen Angehörigen zumindest ein vernünftiges finanzielles Polster hinterlassen konnte. Doch leider sind wir mit dem Makler nicht ins Gespräch gekommen, weil ihn die Panik ergriffen hatte und er gehandelt hat, bevor er Rückmeldung von dem Geschäftsführer des Maklerpools erhalten hatte.

Der Makler hatte sich spontan entschieden, das Angebot eines recht bekannten Bestandskäufers anzunehmen und dessen Nachfolgelösung zu nutzen. Eine Beteiligung an den Bestandscourtagen mit zeitlich befristeten Hinterbliebenenschutz, der quasi auf die übertragenen Vertragsbestände bezahlt werden sollte, gemeinhin in der Branche als „Rente“ bezeichnet. In der Hoffnung, eine sehr gute Lösung gefunden zu haben, wurde der Vertrag unterschrieben. Die Kunden und die Produktgeber wurden informiert, ebenso wurde die Übertragung der Vertragsbestände bei den Produktgebern beauftragt.

Auch wenn es für sein gesundheitliches Problem keine Lösung mehr geben sollte, war der Makler zuversichtlich, eine gute Lösung gefunden zu haben, und hat die Auflösung seines Unternehmens eingeleitet, den Betrieb abgemeldet. Damit war das Maklerunternehmen quasi aufgelöst. Von nun an sollte der Bestand das Einkommen der Angehörigen sichern.

Bestand in Sonderkonzepten

Doch die böse Überraschung kam dann leider relativ bald: Die Rente würde definitiv nicht in der erhofften Höhe fließen!

Der Makler hatte einen Punkt nicht bedacht: Weil er spezielle Deckungskonzepte vermittelt hatte, konnten große Teile des Bestands nicht einfach auf den Bestandskäufer übertragen werden. Die Produktgeber weigerten sich schlichtweg diese zu übertragen und kündigten an, die Verträge mit den jeweiligen Kunden zu kündigen bzw. in Standard-Tarife zu überführen. Dem wiederum widersprachen viele Kunden, weil sie nicht auf die Deckungskonzepte verzichten wollten und blieben beim alten Maklerpool oder wechselten zu einem Makler, der diese Konzepte anbieten durfte.

Zusätzliches Problem: Der Makler versäumte es in der Vergangenheit, eine entsprechende Zustimmung zur Datenweitergabe bei seinen Kunden einzuholen. Ohne diese wollte der Käufer die Bestände aber nicht annehmen, weil er die drakonischen Strafen fürchtet, die er bei einem Verstoß gegen die DSGVO riskieren würde.

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