Fluggast-Rechte: Kein Schadenersatz bei Alkoholkonsum?

Berater Recht & Haftung von Florian Burghardt

Müssen Fluggäste auch sturzbetrunken befördert werden oder hat die Crew hier ein Mitspracherecht? Und können sie im Falle einer Nichtbeförderung stets Schadenersatz verlangen? Das Münchener Amtsgericht fällte dazu ein Urteil.

Party, Palmen, Alkohol? Viele Urlauber genehmigen sich im Flugzeug den einen oder anderen Drink. Aber darf man vom Flug ausgeschlossen werden, wenn man zu viel intus hat?

Party, Palmen, Alkohol? Viele Urlauber genehmigen sich im Flugzeug den einen oder anderen Drink. Aber darf man vom Flug ausgeschlossen werden, wenn man zu viel intus hat? Bild: Pixabay

Viele Kunden, die von der Pleite des Reisekonzerns Thomas Cook betroffen sind, könnten nun auf (großen) Teilen ihrer Urlaubskosten sitzen bleiben – ohne etwas falsch gemacht zu haben. Doch natürlich kann auch das eigene Verhalten dazu beitragen, die Kosten für nicht angetretene Flüge selbst tragen zu müssen. Denn nicht in jedem Fall ist die Airline beziehungsweise deren Haftpflichtversicherer zum Schadenersatz verpflichtet.  

Als Beispiel dient der Fall eines Ehepaars, dass nach einer Pazifikkreuzfahrt vom australischen Brisbane aus über Dubai zurück nach Frankfurt am Main fliegen wollte. Denn der Kapitän und seine Crew hatten die beiden Passagiere kurz vor dem Start von dem Langstreckenflug ausgeschlossen. Die Begründung: Der Mann und die Frau seien zu stark alkoholisiert gewesen, um den Flug durchzustehen. Daraufhin hatte das Ehepaar einen neuen Rückflug für den Folgetag gebucht. Die 1.752,64 Euro für die Tickets sowie 600 Euro Verdienstausfall für seine Tätigkeit als Rechtsanwalt forderte der Mann daraufhin per Klage vor dem Münchener Amtsgericht (Az.: 182 C 18938/18) ein.

Keine schuldhafte Verletzung der Reisevertragspflichten

Dieses Unterfangen wurde allerdings nicht mit Erfolg gekrönt. Denn das Amtsgericht entschied, dass keine schuldhafte Verletzung der sich aus dem Reisevertrag ergebenden Pflicht der Beklagten zur Beförderung des Klägers und seiner Ehefrau vorlag. Vielmehr sei der Airline der Nachwies gelungen, dass der Verweis der beiden Passagiere aus dem Flugzeug zu Recht erfolgt sei.

Der Richter begründete dies mit den umfassenden Zeugenaussagen der Crewmitglieder und des Flugkapitäns. So wurde es als erweisen angesehen, dass die Eheleute zu betrunken und damit gesundheitlich beeinträchtigt waren, um den Langstreckenflug durchzuhalten. Denn als Tatsachen festgestellt wurden bei ihnen laut Protokoll: Ein wankender Gang, gerötete Gesichter, glasige Augen, Stützen des Klägers, Weinen der Ehefrau des Klägers, die Aussage, es gehe ihr nicht gut, starker Alkoholgeruch und mangelnde Konzentrationsfähigkeit des Klägers sowie der Umstand, dass dieser sich zum Stehen an die Wand anlehnen musste. Zudem müsse der Flugkapitän in einer solchen Situation stets eine vorausschauende Ermessensentscheidung zum Wohle der Passagiere treffen. Dies sei hier korrekt erfolgt. Das Urteil ist rechtskräftig.

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