Ein Goldpreis von 10.000 US-Dollar wäre eine wirtschaftliche Katastrophe

Sachwerte Top News von Alexandra Jegers

Der Goldpreis stürmte zuletzt steil nach oben. Im Interview spricht Eugen Weinberg, Leiter der Rohstoff-Analyse bei der Commerzbank, über die Gründe, die Anlagemöglichkeiten und die Rolle von Silber im Portfolio.

Eugen Weinberg leitet seit März 2007 die Rohstoff-Analyse bei der Commerzbank. Dort ist er für die Erstellung der Prognosen und Strategien im Rohstoff-Sektor verantwortlich.

Eugen Weinberg leitet seit März 2007 die Rohstoff-Analyse bei der Commerzbank. Dort ist er für die Erstellung der Prognosen und Strategien im Rohstoff-Sektor verantwortlich. Bild: Commerzbank

procontra: Seit Juni kennt der Goldpreis kein Halten mehr. Mit 1.540 US-Dollar je Feinunze notiert er derzeit auf dem höchsten Stand seit sechs Jahren. Was sind die Gründe für den plötzlichen Höhenflug?

Eugen Weinberg: Der Goldpreis wird vor allem von zwei Faktoren getrieben: Angst und Gier. Geopolitische Unruhen wie der Handelskrieg zwischen den USA und China oder auch der Brexit verunsichern Anleger zunehmend. Hinzu kommen schlechte Konjunkturdaten, die die Angst vor einer drohenden Rezession schüren. Das weckt bei Investoren den Wunsch, ihr Kapital in sichere Häfen wie Gold zu bringen.

procontra: Aber Brexit und Handelskrieg bestimmen doch seit fast zwei Jahren die Schlagzeilen, während der Goldpreis lange seitwärts lief. Wie passt das zusammen?

Weinberg: Wir nehmen Krisen sehr unterschiedlich war. Ja, Handelskrieg und Brexit erzeugen medial schon länger große Wellen. Aber an den Kapitalmärkten stiegen die Kurse lange unbeeindruckt weiter. Das hat sich erst vor kurzem geändert. Man kann sagen: Anleger haben erst jetzt begonnen, auf die Krise zu reagieren und mit ihrem Vermögen in Gold zu flüchten.

procontra: Welche Rolle spielt die Geldpolitik?

Weinberg: Hier kommt die Gier ins Spiel. Vielen Beratern ist nicht bewusst, dass wir längst in einer Welt negativer Realzinsen leben. Wenn Sparer mit ihrem Bankguthaben nicht einmal mehr die Inflation ausgleichen, dann ist der Zins nicht null, wie viele Anleger glauben, sondern längst negativ. Derzeit liegt die Rendite nach Inflation in der Eurozone bei minus zwei Prozent. Sparer verlieren also Jahr für Jahr zwei Prozent Kaufkraft, wenn sie ihr Geld bei der Bank parken. Das macht Gold als Alternative attraktiv.

procontra: Gold bringt aber auch nichts ein, jedenfalls keine Zinsen oder Dividenden.

Weinberg: Das stimmt. Und darüber hinaus fallen auch noch laufend Kosten an, zum Beispiel für die Lagerung und Versicherung. Aber mit dem negativen Zins auf Bankeinlagen sinken diese Opportunitätskosten der Goldhaltung. Gold ist also weniger wertverzehrend als Sparguthaben.

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