„Cyber kann das Einstiegsgeschäft für Makler sein“

Berater Versicherungen Top News von Carla Fritz

Während viele Versicherer und Vermittler erst beginnen, mit Cyberversicherungen zu liebäugeln, erfindet sich die noch junge Sparte bereits neu. Über Annahmerichtlinien, stille Risiken und die Rolle des Maklers sprach procontra mit Gert Baumeister, Chef der Projektgruppe Cyberversicherung beim GDV.

Gert Baumeister, Vorsitzender Projektgruppe Cyberversicherung beim GDV, sieht den Makler in einer wichtigen Funktion beim Beratungsthema Cyberversicherung.

Gert Baumeister, Vorsitzender Projektgruppe Cyberversicherung beim GDV, sieht den Makler in einer wichtigen Funktion beim Beratungsthema Cyberversicherung. Bild: GDV

procontra: Der Cyber-Schutz von Ärzten war Gegenstand gleich mehrerer Untersuchungen des GDV. Ist es die Kombination aus fortschreitender Digitalisierung und Häufung sensibler Daten gerade im Gesundheitsbereich, weshalb der Verband hier erheblichen Aufwand betrieben hat?

Gert Baumeister: Ich würde einen Schritt weiter vorn anfangen. Zwar schätzen kleine und mittelständische Unternehmen wie auch Freiberufler die Cybergefahr im Allgemeinen als groß ein, aber nicht für ihr eigenes Unternehmen. Sie halten sich für gut abgesichert und im Übrigen für einen Cyberangriff für viel zu klein. Als Verband sehen wir uns in der Position, hier zu sensibilisieren – auch über Umfragen. Bekanntlich haben wir inzwischen auch einen Vorschlag speziell für die Cyberversicherung kleiner und mittelständischer Unternehmen entwickelt, den die Verbandsmitglieder ganz oder in Teilen übernehmen können.

procontra: Die Cyberdeckung ist aber an ein bestimmtes IT-Sicherheitsniveau geknüpft. Insofern würden viele Ärzte – so wie es sich durch die Untersuchungen darstellt – derzeit wahrscheinlich den Test für die Cyberpolice nicht bestehen?

Baumeister: Wie bei den klassischen Versicherungen gilt grundsätzlich auch hier: Erst sichern, dann versichern. Einen gewissen technischen Grundschutz wie etwa Antivirenprogramm und Datensicherung sollte man haben. Wer sein Unternehmen in digitaler Hinsicht offen lässt wie ein Scheunentor, dürfte schwerlich adäquaten Risikoschutz erhalten.

procontra: Aus Marktanalysen geht aber auch hervor: In Ihrer Annahmepolitik sind die Anbieter von Cyberdeckungen inzwischen deutlich restriktiver und machen auch strengere Auflagen.

Baumeister: Hier muss man nochmals differenzieren: In welcher Zielgruppe bewegt sich der Versicherer? Bei Versicherungssummen von 100 Millionen Euro zum Beispiel, wie sie große Industrieunternehmen einkaufen, kann das anders aussehen als bei einem Arzt oder Apotheker mit vielleicht 250.000 Euro Versicherungssumme. Dort kann man im Vorfeld gar nicht so tief in die Risikoanalyse einsteigen.

procontra: Sondern?

Baumeister: Solche Dinge werden oft standardisiert. Das regelt man bei kleinen oder mittleren Risiken über ein Selbstaudit des Kunden anhand eines Fragenbogens sowie über Obliegenheiten. Außerdem kommt es auf die individuelle Risiko- und Zeichnungspolitik an.

Seite 1: Veränderte Annahmerichtlinien für Cyber-Schutz
Seite 2: Welche Rolle spielt der Makler?
Seite 3: Welche Risiken schlummern in Silent Cyber?

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