BU-Neuheiten: Leistungs-Plus oder Marketing-Gags?

Berater Versicherungen Top News von Florian Burghardt

Können wirklich fast alle Antragsteller eine BU abschließen und wie revolutionär sind Neuerungen wie Teilzeitklausel oder Berufsgruppenabkehr? Diese und andere Fragen beantwortete der spezialisierte BU-Makler Guido Lehberg im Interview.

Laut dem GDV könnten über 90 Prozent aller BU-Antragsteller eine Police abschließen. Der spezialisierte BU-Makler Guido Lehberg bezog dazu im Interview mit procontra Stellung.

Laut dem GDV könnten über 90 Prozent aller BU-Antragsteller eine Police abschließen. Der spezialisierte BU-Makler Guido Lehberg bezog dazu im Interview mit procontra Stellung. Bild: Guido Lehberg

procontra: Sie sind auch als ‚Der BU-Profi‘ bekannt. Welchen Stellenwert hat die Berufsunfähigkeitsversicherung innerhalb der Arbeitskraftabsicherung und sollte jeder eine solche abschließen?

Guido Lehberg: Diese Behauptung wird ja gerne aufgestellt. Von Versicherungsvermittlern, von den Medien und auch von Verbraucherschützern. Das schöne ist, dass in Deutschland niemand verhungern oder draußen im Kalten schlafen muss, der keine BU-Versicherung hat. Man stirbt also nicht ohne BU.

Die BU-Versicherung bietet allerdings einen Schutz des erreichten Status in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht. Nun sollte sich also jeder selbst einmal fragen: Habe ich einen schützenswerten Status oder bin gerade dabei einen zu erwerben, zum Beispiel durch Aus- oder Weiterbildung? Dann ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung unbedingt sinnvoll. Habe ich keinen Status, den ich selbst für schützenswert halte und habe auch nicht vor das später zu ändern dann brauche ich nicht zwingend eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

procontra: Laut GDV-Zahlen könnten über 90 Prozent aller BU-Antragsteller eine Police abschließen, drei Viertel von ihnen sogar ohne Beitragszuschläge oder Leistungsausschlüsse. Ist das die Realität?

Lehberg: Hier gibt es mehrere Realitäten. Gehe ich einmal davon aus, dass der GDV uns hier die echten Zahlen präsentiert, dann kann das auch damit zusammenhängen, dass bei der Vermittlung einer BU bewusst oder unbewusst nicht jeder gefahrenerhebliche Umstand angegeben wurde. Hierfür gibt es mehrere Gründe. Zum einen wissen Kunden teilweise nicht, was in ihrer Krankenakte steht. Fragen sie diese nicht an und geben in gutem Glauben im Antrag an, dass nie etwas gewesen ist haben wir hier schon den Umstand der Falschangabe.

Sicherlich gibt es dann auch noch die anderen Kunden. Diejenigen, die entweder bewusst Dinge unterschlagen und diejenigen, denen gesagt wird, dass der Bandscheibenvorfall aus dem letzten Jahr schon nicht gemeint sein wird bei der Frage nach Rückenerkrankungen. Je weniger der Versicherer weiß, desto höher ist natürlich erst einmal die Annahmequote. Desto höher ist aber zumindest in den ersten 10 Vertragsjahren auch die Ablehnungsquote im Leistungsfall aufgrund Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht. Meine Realität sieht so aus, dass ich nahezu 100 Prozent meiner Kunden versichert bekomme, aber eben durchaus mit Zuschlägen und beziehungsweise oder mit Ausschlussklauseln.

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