bAV: Pensionen absichern wird teurer

Versicherungen Thema bKV/bAV Top News Berater von Detlef Pohl

Bei Insolvenzen von Firmen, die bAV-Leistungen aus Pensionszusagen, U-Kassen und Pensionsfonds zugesagt haben, zahlt der Pensions-Sicherungsverein (PSV) Betroffenen die Rente. Das wird teurer als zunächst für 2019 erwartet. Was Berater wissen müssen.

Mehrere Insolvenzen in den letzten Monaten treiben den Beitragssatz der Wirtschaft für die Absicherung ihrer Pensionszusagen und U-Kassen-Leistungen nach oben, sagt Hans Melchiors.

Mehrere Insolvenzen in den letzten Monaten treiben den Beitragssatz der Wirtschaft für die Absicherung ihrer Pensionszusagen und U-Kassen-Leistungen nach oben, sagt PSV-Vorstand Hans Melchiors. Bild: PSV

In jüngster Zeit mehren sich Schieflagen von Pensionskassen, die wegen der Niedrigzinsphase Nachschüsse von Arbeitgebern einfordern (procontra berichtete). Käme es zu Insolvenzen der Kassen, wäre die Selbsthilfeeinrichtung Protektor nur zuständig, wenn die Kasse freiwillig dort Mitglied ist (das sind die meisten Wettbewerbs-Pensionskassen der Lebensversicherer). Firmen-Pensionskassen sind es zumeist nicht, da in jeder Satzung Sanierungsklauseln fixiert sind, die eine Insolvenz abwenden sollen, und deren Anwendung von der Bafin zu genehmigen ist.

Auch der Pensions-Sicherungsverein (PSV) würde bei Insolvenz von Pensionskassen nicht einspringen. Diese Selbsthilfeeinrichtung der deutschen Wirtschaft dient dem gesetzlichen Schutz der betrieblichen Altersversorgung (bAV) bei der Insolvenz des Arbeitgebers. Gedeckt sind bei Insolvenzen aber nur Ansprüche aus Pensionszusagen, U-Kassen und Pensionsfonds  - ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens (procontra berichtete). Dies umfasst rund 70 Prozent des Verpflichtungsumfangs der gesamten bAV in Deutschland.

Insolvenzschutz vor allem für Pensionszusagen

Derzeit stehen 11,1 Millionen Versorgungsberechtigte (4,0 Millionen Rentner und 7,1 Millionen Anwärter) unter Insolvenzschutz, berichtet PSV-Vorstand Hans H. Melchiors. Die Zahl der Mitgliedsfirmen sei auf 95.100 gestiegen (Ende 2018). Deren Betriebsrenten aus unverfallbaren Anwartschaften auf Pensionszusagen, U-Kassen- und Pensionsfonds-Leistungen würden also bei Insolvenz der Mitgliedsfirmen vom PSV übernommen. Dies ist auch ein gutes Argument für bAV-Berater in der Beratung, was die Sicherheit von Betriebsrenten angeht. Versorgungszusagen in Direktversicherungen und Pensionskassen sind dagegen nicht insolvenzsicherungspflichtig.

Der Beitragssatz der Firmen an den PSV spiegelt den Schadenaufwand (Insolvenzen) eines Kalenderjahres wider. Das Finanzierungsverfahren ist ziemlich komplex. Die Beitragsbemessungsgrundlage wuchs im letzten Jahr um sechs auf 345 Milliarden Euro. Der Beitragssatz 2018 lag mit 2,1 Promille deutlich unter dem langjährigen gewichteten Durchschnitt von 2,7 Promille.

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