bAV: Neues Versorgungswerk und alte Probleme

Berater bAV Top News Versicherungen von Detlef Pohl

Mehrere bAV-Einrichtungen schwächeln angesichts der Niedrigzinsen. Dennoch setzen erste Tarifpartner nicht auf die reine Beitragszusage, sondern auf abgespeckte Garantien. Die neue Hogarente ist gerade kein Sozialpartnermodell.

Die neue "Hogarente plus" ermöglicht als Direktversicherung mit Beitragsgarantie in einem Produkt sowohl Entgeltumwandlung als auch Geringverdienerförderung, sagt Signal-Iduna-Chef Ulrich Leitermann.

Die neue "Hogarente plus" ermöglicht als Direktversicherung mit Beitragsgarantie in einem Produkt sowohl Entgeltumwandlung als auch Geringverdienerförderung, sagt Signal-Iduna-Chef Ulrich Leitermann. Bild: Signal Iduna

Wegen der politisch verordneten Niedrigzinsphase durch die EZB fehlen Arbeitnehmern, die versicherungsförmig Ansprüche auf eine Betriebsrente aufbauen, zunehmend die Überschüsse. Das bringt immer mehr Versorgungswerke in Bedrängnis. Dies betrifft auch die Pensionskasse der Caritas. Die Schieflage kommt nicht überraschend, denn das Zinstief bedroht zunehmend auch die bAV (procontra berichtete).

Die Kasse hat ebenso wie ihre Schwetser (Kölner Pensionskasse) im Frühjahr ihre Versicherungsnehmer informiert, dass sie Leistungen kürzen müssen (procontra berichtete). Die Entwicklung sei kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines systemischen Risikos, meint Karsten Lewe, Geschäftsführer der New Dimension Concept AG (NDC), Beratungsgesellschaft für betriebliche Versorgungen.

Niedrigzins mit Nullzinsgarantie begegnen

Leistungskürzungen bei mehreren Kassen zwischen 12 und 25 Prozent hätten stets ähnliche Ursachen. Entscheidend seien drei Gründe: ein seit zehn Jahren anhaltendes Niedrigzinsniveau, langfristige Garantien und zu hohe Kosten. „Niedrige Zinsen werden dann gefährlich, wenn langfristig höhere Versprechungen abgegeben wurden und zudem hohe Kosten den Niedergang verschärfen“, so Lewe (procontra berichtete).

Das Problem will nun eine erste Branche die Hotellerie und Gastronomie lösen – mit einer abgespeckten Garantie. Für die Beschäftigten ist eine Anschlusslösung an die bisherige „Hogarente“ zwischen den Tarifparteien Deutscher Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga Bundesverband) und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) verabredet worden. Die bundesweit einheitlichen Tarifverträge gelten rückwirkend zum 1. Januar 2019.

Bei der Anschlusslösung unter dem Namen „Hogarente plus“ handelt es sich um eine Direktversicherung für den Arbeitgeberbeitrag, die Entgeltumwandlung und den Arbeitgeberzuschuss. Das zugrundeliegende Anlagekonzept garantiert den Erhalt aller eingezahlten Beiträge (Beitragsgarantie). „Es handelt sich nicht um eine reine Beitragszusage nach dem Sozialpartnermodell (SPM)“, erklärte ein Signal Iduna-Sprecher auf Nachfrage. Bei jeder Vertragslaufzeit stünden zu Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge als Guthaben zur Verfügung (0-Zins-Garantie).

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