Wann sich eine Unfallversicherung für Vereine lohnt

Berater Recht & Haftung von Florian Burghardt

Die gesetzliche Unfallversicherung bietet teilweise auch Schutz bei ehrenamtlichen Aktivitäten. Ob ein Mitglied eines Segelflugvereins bei Baumfällarbeiten als „Wie-Beschäftigter“ anzusehen ist, musste das LSG Celle-Bremen entscheiden.

Eine separate Unfallversicherung für Vereine lohnt sich eigentlich immer. Denn ehrenamtliche Tätigkeiten sind nur sehr selten über die gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt, wie ein aktuelles Urteil belegt.

Eine separate Unfallversicherung für Vereine lohnt sich eigentlich immer. Denn ehrenamtliche Tätigkeiten sind nur sehr selten über die gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt, wie ein aktuelles Urteil belegt. Bild: Pixabay

Häufig ist zu hören, dass die gesetzliche Unfallversicherung (GUV) nur für Schäden leistet, die während der Arbeitszeit eingetreten sind. Auch in Bezug auf Wegeunfälle wird teilweise um jeden Meter gestritten. Doch die GUV bietet teilweise auch Schutz für freizeitähnliche Aktivitäten, etwa bei der Ausübung von ehrenamtlichen Aktivitäten in Vereinen. Die Abstufung von versicherten und nicht versicherten Tätigkeiten ist dabei aber kompliziert, wie ein aktuelles Urteil des Landessozialgerichts (LSG) Celle-Bremen (Az.: L 6 U 78/18) zeigt.

In diesem Fall hatte ein 60-jähriger Mann gegen die GUV geklagt, da sie ihm beantragte Leistungen nicht gestattete. Der Mann ist Mitglied in einem Segelflugverein. Er hatte zusammen mit anderen Vereinsmitgliedern versucht, einen Baum zu fällen, der in die Landebahn des Flugplatzes hineingewachsen war. Während dieser Tätigkeit wurde er von einem großen Ast getroffen und trug ein sogenanntes Polytrauma davon.

Arbeitsstunde oder Sonderaufgabe?

Sein Antrag auf Anerkennung als Arbeitsunfall wurde abgelehnt, weil die GUV seinen Einsatz beim Baumfällen als satzungsgemäße Arbeitsstunde wertete. Von solchen Arbeitsstunden müssen die Mitglieder laut Vereinssatzung 60 pro Jahr leisten. Dazu zählen auch sogenannte Platz- und Wegearbeiten, die ausdrücklich auch den Rückschnitt von Büschen sowie das Fällen und Zersägen von Bäumen einschließen.

Der Mann hatte daraufhin erklärt, für ihn würde als sogenannter „Wie-Beschäftigter“ Schutz aus der GUV bestehen. Diese besondere Form des gesetzlichen Unfallversicherungsschutzes besteht für Personen, die wie Beschäftigte des Vereins angesehen werden. Ein Beispiel dafür wäre, wenn der Segelfliegerverein ein Nicht-Mitglied mit dem Baumfällen beauftragt hätte.

Besonderer Schutz für „Wie-Beschäftigte“

GUV-Schutz für einen „Wie-Beschäftigten“ hätte, laut dem LSG, für den Mann bestanden, wenn er Sonderaufgaben ausgeführt hätte, die über die geregelten Arbeiten aus der Vereinssatzung hinaus gegangen wären. Da dies aber nicht der Fall war, sahen die Richter die unfallbringende Tätigkeit als mitgliedschaftlich und nicht arbeitnehmerähnlich geprägt an.

Die Rechtsauffassung der GUV wurde damit bestätigt. Sofern der Verein keine eigene Unfallversicherung für Vereine abgeschlossen hatte und der Mann nicht selbst über eine private Police verfügte, ging er leer aus.

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