Vertrauensschaden: Wenn Mitarbeiter Geld abzweigen

Recht & Haftung Berater Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Schutz nur durch wirksame Kontrollsysteme

Um sich wirksam zu schützen, sollten Firmen effektive und wirksame Kontrollsysteme aufbauen und sensible Bereiche doppelt absichern, also unter anderem einen Compliance-Beauftragten benennen, ein Hinweisgeber-System aufbauen, einen verbindlichen Verhaltenskodex verabschieden, die Mitarbeiter regelmäßig schulen und bei Zahlungen strikt das Vier-Augen-Prinzip beachten. Müssen besonders exponierte Stellen besetzt werden, sollte ein polizeiliches Führungszeugnis angefordert werden. Das dürfte in Bezug auf Maklerfirmen insbesondere bei Besetzung von angestellten Geschäftsführern gelten.

„Ein funktionierendes Compliance-Management bedeutet für Unternehmen doppelten Schutz“, sagt der auf Wirtschaftsstrafsachen spezialisierte Rechtsanwalt Jesko Trahms von BDO Legal. Zum einen würden kriminelle Machenschaften erschwert, im Zweifel schneller entdeckt und damit insgesamt seltener. „Zum anderen entlastet es Geschäftsführer und Vorstände von etwaigen Haftungsansprüchen, wenn doch etwas passiert“, erklärt Trahms. Sie könnten dann belegen, dass sie keineswegs fahrlässig gehandelt, sondern es dem Täter so schwer wie möglich gemacht haben.

Oftmals überhöhte finanzielle Ansprüche als Triebfeder

Dieser Tipp dürfte auch der springende Punkt für die vielen zumeist als Kleinstbetriebe organisierten Versicherungsmakler-Firmen sein. Als häufigste Tätergruppe der Mitarbeiter Prozent) hat Strafrechtler Hendrik Schneider den sogenannten Krisentäter ausgemacht, auf dessen Konto 40 Prozent der Straftaten aus der Firma heraus gehen. Er nutzt vorhandene Gelegenheiten und sucht sie teilweise auch aktiv. Der Täter hat überhöhte Ansprüche, sieht diese aber als legitim an und rechtfertigt damit seine Taten, die häufig durch krisenhafte Ereignisse im Privat- oder Berufsleben ausgelöst werden, die seinen bisherigen Status und Lebensstil bedrohen.

„Dies sind häufig aufstiegsorientierte Männer mit kontinuierlicher Erwerbsbiographie, die auch zum Top-Management gehören können“, warnt Schneider. Tatmotive könnten aber auch Kauf- oder Spielsucht, Schulden aus dem Hauskauf oder andere Situationen sein, die nicht mehr aus dem laufenden Gehalt bezahlbar sind. „Blindes Vertrauen der Geschäftsführung in langjährige Angestellte mit Vertrauensstellung begünstigt solche Straftaten, die mitunter gerade auch von der ‚guten Seele“ in der Firma begangen werden“, so Rüdiger Kirsch vom GDV.

Wann die Vertrauensschaden-Police hilft

Die Vertrauensschadenversicherung entschädigt Firmen für Vermögensverluste, wenn sie Opfer von kriminellen Vertrauenspersonen geworden sind – also, wenn Mitarbeiter eines Unternehmens Geld unterschlagen, das Unternehmen sabotieren, Geschäftsgeheimnisse verraten oder sich der Untreue schuldig machen. Auch die kriminellen Machenschaften von Zeitarbeitern oder den Mitarbeitern von Dienstleistern sind versichert. Ebenfalls sind Vermögensschäden durch vorsätzlich begangene Taten von fremden Betrügern üblicherweise mitversichert, etwa bei Fake-President-Fällen (procontra berichtete).

Als beste Schadenregulierer im Bereich Vermögens- und Vertrauensschadenversicherung haben Makler Umfragen zufolge Hiscox, R+V und Allianz eingestuft (procontra berichtete).

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