Vertrauensschaden: Wenn Mitarbeiter Geld abzweigen

Recht & Haftung Berater Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Wirtschaftskriminalität durch Mitarbeiter ist für Firmen eine ständige Gefahr. Auch die meist kleinen Maklerbetriebe sind nicht davor gefeit. Wie die Muster der Täter aussehen und wie man sich schützen kann, zeigt eine GDV-Untersuchung.

Sicherheitslücken und persönliche Risikokonstellationen begünstigen kriminelle Machenschaften von Mitarbeitern und führen zu hohen Schäden, berichten Experten beim GDV-Fachgespräch. Bild: GDV

Sie greifen in die Kasse, stehlen Waren, erfinden Rechnungen oder gründen sogar Scheinfirmen – regelmäßig werden Firmen von den eigenen Mitarbeitern betrogen. Weil die Belegschaft einen Vertrauensvorschuss genießt und die Sicherheitslücken im Unternehmen genau kennt, können die internen Täter in aller Regel hohe Summen erbeuten: Im Schnitt bringen kriminelle Mitarbeiter ihre Arbeitgeber um fast 115.000 Euro, bevor sie auffliegen. Externe Betrüger kommen im Schnitt gerade mal auf die Hälfte dieser Summe (procontra berichtete).

Das geht aus Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor, der rund 2.400 Schadenfälle aus der Vertrauensschadenversicherung ausgewertet und in Berlin vorgestellt hat. Die gewerbliche Schadenversicherung entschädigt Firmen, wenn interne oder externe Vertrauenspersonen Geld veruntreuen oder das Unternehmen betrügen. Was nicht im Fachgespräch erwähnt wurde: So etwas ist offenbar auch im Versicherungsvertrieb nicht selten (procontra berichtete).

Wie die Zahlen zeigen, sind die eigenen Mitarbeiter hinsichtlich Betrug und Unterschlagung das größere Risiko für Unternehmen: Knapp zwei Drittel der Fälle und rund 75 Prozent des Gesamtschadens ging auf das Konto krimineller Kollegen. „Angesichts unserer Erfahrungen ist davon auszugehen, dass jedes Jahr 5 bis 10 Prozent der deutschen Unternehmen von eigenen Mitarbeitern betrogen werden“, sagt Rüdiger Kirsch, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Vertrauensschadenversicherung im GDV.

Gelegenheit macht Diebe

Ausschlaggebend für die meisten Taten sind nach Erkenntnissen des Strafrechts-Professors Hendrik Schneider von der Universität Leipzig fehlende Sicherheitsmechanismen in den Firmen. „Aus der Perspektive der Täter sind Sicherheitslücken günstige Tatgelegenheiten. Insbesondere bei längerer Unternehmenszugehörigkeit kann ein Mitarbeiter der Versuchung der günstigen Gelegenheit erliegen.“ Bisweilen kämen noch persönliche Risikokonstellationen hinzu, die entsprechende Taten begünstigen, so Schneider weiter.

Beispiel: Wenn der Täter meint, einen Extrabonus verdient zu haben oder wenn er sich von seinem Chef gekränkt und zurückgesetzt fühlt, steige das Schadenrisiko für die Firma. Weiterhin könne Geldknappheit aufgrund einer persönlichen Lebenskrise wie Scheidung oder ein zu aufwändiger Lebensstil ein Katalysator sein. „Wenn sich eine Gelegenheit bietet, mit wenig Aufwand viel Geld in die eigenen Taschen zu lenken und dabei zumindest kurzfristig nicht erwischt zu werden, schlagen sie zu“, so Schneider, der auch Inhaber eines Büros für Gutachten & Strafverteidigung, Wirtschafts-& Medizinstrafrecht in Wiesbaden ist.

Seinen Studien zufolge sind die Täter in der Regel über 40 Jahre alte Männer deutscher Staatsangehörigkeit mit überdurchschnittlicher Bildung. Sie sind zumeist schon längere Zeit in ihrem Unternehmen beschäftigt und bekleiden häufig verantwortliche Positionen.

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