Sozialpartnermodell: 30 Prozent mehr Rente möglich, aber...

Berater Top News Thema bKV/bAV Versicherungen von Detlef Pohl

Auf einer hochkarätig besetzten bAV-Fachtagung in Berlin wollte ein wichtiger Player Vorbehalte von Arbeitgebern und Gewerkschaften beim Sozialpartnermodell abbauen. Kommt dieses nicht in Fahrt, könnte ein Schreckensszenario drohen.

Als Zielrente sind 30 bis 50 Prozent mehr Rente als mit klassischer bAV und deren Garantien möglich, haben Fabian von Löbbecke (links) und Lars Golatka vorgerechnet.

Als Zielrente sind 30 bis 50 Prozent mehr Rente als mit klassischer bAV und deren Garantien möglich, haben Fabian von Löbbecke (links) und Lars Golatka vorgerechnet. Bild: HDI/Zurich

Das Betriebsrenten-Stärkungsgesetz (BRSG) ist schon seit fast 21 Monaten in Kraft und hat bereits viele Probleme aufgeworfen (procontra berichtete). Im Kern sollte es reine Beitragszusagen ohne Haftung für Arbeitgeber und Kapitalanlagen ohne Garantien für Arbeitnehmer auf Basis von Tarifverträgen bringen (Sozialpartnermodell; kurz: SPM). Bisher gibt es deutschlandweit jedoch noch immer keinen einzigen SPM-Tarifvertrag.

Um das zu ändern, lud Die Deutsche Betriebsrente, ein Konsortium aus Deutschem Pensionsfonds (Zurich) als Konsortialführer und PB Pensionsfonds (Talanx), vergangene Woche rund 60 Vertreter von Tarifparteien zum "Powertag Sozialpartnermodell". In mehreren Impuls-Vorträgen ging es darum, durch neue Fakten, die auch für bAV-Makler interessant sind, Arbeitgebern und Gewerkschaften Berührungsängste mit der Zielrente zu nehmen.

Fabian von Löbbecke, Vorstandschef HDI Pensionsmanagement, und Lars Golatka, Vorstandschef Deutscher Pensionsfonds, rechneten dem Publikum die Mehrwerte vor, die sich durch das SPM ergeben. „Kollektives Sparen mit Sicherheitsmechanismen ermöglicht eine 20 bis 30 Prozent höhere Aktienquote als mit Fondspolicen erlaubt und bei gleichem Risiko letztlich einen Prozentpunkt mehr Rendite“, so der Diplom-Mathematiker.

Fehlende Garantie ermöglicht deutlich höhere Rente

Das Konsortium kalkuliere vorsichtig und setzt 3,8 Prozent Zielrendite an. „Dies kann zu 30 bis 50 Prozent höherer Gesamtrente als bei klassischer bAV mit Garantien führen“, betonte Löbbecke. Selbst die Startrente sei zu 99 Prozent Wahrscheinlichkeit höher als die klassische bAV-Garantierente, meint der Experte. Begründung: Das Garantieverbot ermögliche offensivere Kapitalanlagepolitik und lasse über 3 Prozentpunkte Rendite mehr als mit vorhandenem Deckungsstock erwarten. Die vorgeschriebene lebenslange Rente (keine Kapitalabfindung erlaubt) bewirkt verbesserte Liquiditätssteuerung durch Optimierung der Duration.

„Hinzu kommen rund vier Prozentpunkte Mehrwert durch Kostenvorteile wegen automatisierter/digitaler Verwaltung, verringertem Solvenzkapital und reduzierte Abschlusskosten“, ergänzte Lars Golatka. Die Verringerung der Abschlusskosten erreiche man durch digitale Beratung und Kostendruck in Ausschreibungen der SPM-Anbieter, also mehr Wettbewerb, hieß es.

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