Sozialpartnermodell: 30 Prozent mehr Rente möglich, aber...

Berater Top News Thema bKV/bAV Versicherungen von Detlef Pohl

Die Steuerung der Kapitalanlage ermöglicht, dass mit 93 Prozent Wahrscheinlichkeit die SPM-Rente jeden Monat größer als die Gesamtrente der bisherigen klassischen bAV ist“, fasste Löbbecke zusammen. Durch vom Gesetzgeber erlaubte Sicherungsbeiträge in Höhe von 5 Prozent könne diese Wahrscheinlichkeit noch auf 95 Prozent erhöht werden. „Die fehlende Garantie erweist sich als Segen für deutlich mehr Rente“, so die mathematische Botschaft.

BRSG ist nicht alternativlos

Der bAV-Verbreitungsgrad ist 2017 im Vergleich zu 2013 auf 55,6 Prozent zurückgegangen, erinnerte Rechtsanwalt Marco Arteaga, Partner der Kanzlei DLA Piper, anhand von Statistiken aus dem BMAS. „Erfahrungen im Ausland mit der Zielrente lassen 2,5 bis 3,5 Prozent höheren Ertrag pro Jahr erwarten“, erklärte der geistige Vater des SPM (procontra berichtete).

Der Handlungsdruck auf baldige SPM-Tarifabschlüsse ist gewachsen, weil die Regierungskommission „Verlässlicher Generationenvertrag" bis März 2020 ihren Bericht vorlegen soll, blickte Arteaga voraus. „Beim Scheitern des SPM könnte die Kommission ein gesetzliches Obligatorium fürs Zwangssparen in der dritten Säule vorschlagen, bei dem die Arbeitgeber für den Beitragseinzug zuständig wären“, entwarf der Experte ein Schreckensszenario.

„Das BRSG ist ausdrücklich nicht alternativlos“, so der frühere bAV-Vorstand von Zurich. Ein einheitlicher staatlicher Megafonds für die Kapitalanlage in der dritten Schicht könnte bAV dann in eine unbedeutende Nebenrolle drängen (zum Beispiel Deutschlandrente oder Bürgerfonds). Bereits Ende Oktober 2019 werde ein Gutachten zur verfassungsmäßigen Zulässigkeit eines solchen Zwangssparmodells erwartet.

Arteaga hofft auf baldige SPM-Verabredungen, da in den nächsten Tagen und Wochen zahlreiche Gewerkschaftskongresse stattfinden und sich die Zeichen verdichten, dass einige Arbeitgeber „dicht vor Haus-Tarifverträgen stehen“.

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