Pflegebedürftige müssen knapp 2.000 Euro monatlich zuzahlen

Berater Versicherungen Top News von Florian Burghardt

Mit Blick auf diese Zahlen fordert der Paritätische Wohlfahrtsverband einen „Pflegedeckel“. Die Betroffenen sollen dadurch in Zukunft maximal 15 Prozent der gesamten Pflegekosten selbst tragen müssen. Dabei handle es sich um eine überfällige Neuausrichtung, um künftig nicht nur gute Pflege zu gewährleisten, sondern die Betroffenen auch vor Armut zu schützen, heißt es von Seiten des Verbands.

Vor dem Hintergrund, dass zahlreiche Renten unter den durchschnittlich anfallendem Eigenanteilen für einen Heimplatz liegen, sagte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands: „Es ist höchste Zeit, dass aus dem Festzuschuss der Pflegekasse eine verlässliche Versicherung wird. Es kann nicht sein, dass Pflegebedürftigkeit wieder zum außerordentlichen Armutsrisiko dieser Gesellschaft wird.“

Beim Paritätischen sieht man es als unausweichlich an, dass kurzfristig etwa 10 Milliarden Euro an zusätzlichen Mitteln bereitgestellt wird, um eine bessere Bezahlung von Pflegekräften und besseren Personalschlüssel zu erreichen. Perspektivisch sei zudem die Einführung einer einheitlichen solidarischen Bürgerversicherung für alle anzustreben.

PKV-Verband befürchtet Mitnahmeeffekte

Pläne, gegen die sich der PKV-Verband deutlich positioniert. Bereits im Sommer hatte man erklärt, dass ein „Pflegedeckel“ und somit eine drastische Leistungsausweitung der Pflegeversicherung zu Lasten kommender Generationen gehen würden. Zwar sehe man die Argumente der „Pflegedeckel“-Befürworter, dass ein unbegrenzter Eigenanteil an den Pflegekosten nicht selten zu Sozialhilfebedarf führe. Diese „Hilfe zur Pflege“ wird erst nach einer Bedürftigkeitsprüfung ausgezahlt. Allerdings sei der Anteil der Heimbewohner, die sie in Anspruch nehmen müssen, seit Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 rückläufig.

Vielmehr hält man beim PKV-Verband eine Obergrenze für den Eigenanteil an den Pflegekosten für sozialpolitisch nicht gerecht. Es wird befürchtet, dass dies zu gewaltigen Mitnahmeeffekten führen könnte. Schließlich würde die 15 Prozent-Grenze dann auch für Pflegebedürftige aus der Mittel- und Oberschicht gelten, die die Kosten im Pflegefall aus eigenen Rücklagen tragen – oder zumindest dafür vorsorgen – könnten.

Der PKV-Verband rät hingegen – wenig überraschend – zu einer Ergänzung in Form von privaten Pflegeversicherungen. Die Vertriebs-Chancen dafür stehen aber anscheinend gar nicht schlecht. Denn einer Umfrage zufolge sind die Deutschen dazu bereit, für eine gute private Pflegevorsorge durchschnittlich 77 Euro im Monat auszugeben. Die Beiträge für einige entsprechende Produkte dürften auf jeden Fall darunter liegen.

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