LV-Provision: CDU sieht keine Missstände

Berater Versicherungen Recht & Haftung Top News von Detlef Pohl

Einen „moderaten Deckel" hält einzig Axel Kleinlein, Vorstand des Bundes der Versicherten (BdV), für nötig. Es gebe objektiv zu hohe Kosten. Auch ein komplettes Provisionsverbot sei noch nicht vom Tisch, denn „Brüssel akzeptiert keine Interessenkonflikte“, so der Verbraucherschützer weiter. Er hält 1,5 Prozent der Beitragssumme als maximale Höhe der Vergütung für die Vermittlung von Lebensversicherungen für angemessen, drängt die Anbieter aber zugleich zu „deutlich besseren Produkten“ (procontra berichtete).

Britta Langenberg, Expertin für Vorsorge und Versicherungen der seit einem Jahr bestehenden Bürgerbewegung Finanzwende, sprach sich gegen einen Provisionsdeckel aus. „Das würde die eigentlichen Probleme nicht lösen.“ Sie plädierte dafür, Beratung und Vertrieb strikt zu trennen. Als gangbarer Weg erscheint ihr dafür die Honorarberatung. Ihr Vorschlag an Berater, sich das Honorar auch ratierlich auszahlen zu lassen, sorgte für Unmut unter den Zuhörern.

Warum der Sinn eines Deckels in Frage steht

Die ganze Deckel-Diskussion sei "Bullshit", meinte Michael Heinz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK). Es gäbe weder Provisionsexzesse noch nennenswert Beschwerden, die einen Provisionsdeckel rechtfertigen würden. Regulierung sei zu akzeptieren, wenn Verbrauchern damit geholfen wird. Aber hier werde niemandem geholfen. „Damit steht der Sinn in Frage“, so Heinz weiter. Angesichts durchschnittlicher LV-Vergütung von 2,76 Prozent unter BVK-Vermittlern „nervt die Debatte“ gewaltig“, sagte der BVK-Chef. Er sei allenfalls für ein „Provisionsdeckelchen“ bei Restschuldpolicen (procontra berichtete).

In diesem Zusammenhang erinnerte CDU-Politiker Brodesser an die durchschnittlichen Einkommen der Finanzvermittler, die vor Steuern und Altersvorsorge bei rund 50.000 Euro lägen (procontra berichtete). Ratierliche Vergütung erlaube keine nachhaltige Beratung.

Zum Ende der Podiumsdiskussion waren sich alle Teilnehmer einig, dass erfolgreiche Finanzberatung 2025 direkten Kundenkontakt, markttaugliche Produkte, angemessene Vergütung und eine Zinswende benötigt, aber – bis auf Kleinlein – keinen Provisionsdeckel.

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