Gewerblicher Cyber-Schutz: Deutsche vertrauen den Falschen

Digital von Florian Burghardt

Laut einer GDV-Studie ist es um die Cyber-Sicherheit in deutschen Unternehmen weiterhin schlecht bestellt. Eine andere Umfrage zeigt, welchen Branchen die Deutschen bei der Datensicherheit vertrauen. Doch das ist manchmal ein Trugschluss.

Manchen Branchen bringen die Deutschen deutlich mehr Vertrauen bei der Datensicherheit entgegen, als anderen. Doch dabei sind sie auch etwas unbedarft.

Manchen Branchen bringen die Deutschen deutlich mehr Vertrauen bei der Datensicherheit entgegen, als anderen. Doch dabei sind sie auch etwas unbedarft. Bild: Pixabay

Immer wieder ist zu lesen, dass deutsche Firmen kaum Versicherungsschutz gegen Cyber-Risiken abschließen. Dass auch die eigenen, internen Sicherheitsmaßnahmen Verbesserungsbedarf aufweisen, legt nun eine Yougov-Studie im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nahe.

Für diese wurden 2.038 Arbeitnehmer in deutschen Unternehmen befragt. Von ihnen konnten nur 39 Prozent bejahen, dass sie schon einmal eine IT-Sicherheits- oder Datenschutz-Schulung erhalten haben. Wissentlich als „Spam“ deklarierte Mails haben 13 Prozent der Befragten schon von ihrem Arbeitsplatz-Posteingang aus geöffnet. Einem Drittel ist zudem die Benutzung von privaten USB-Sticks an Firmenrechnen erlaubt.

Am liebsten ohne Passwort

In puncto Passwortschutz gaben 6 Prozent der Befragten an, dass sie bei beruflichen PCs, Laptops oder Smartphones komplett auf ein Passwort beziehungsweise eine PIN verzichten. Bei Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern sind das sogar 18 Prozent. Bei einem Viertel der Umfrageteilnehmer haben die Passwörter für die beruflichen Geräte keinerlei Mindestanaforderungen, wie zum Beispiel Zeichenanzahl oder Sonderzeichen. Bei 31 Prozent müssen die Passwörter außerdem niemals geädert werden.

„Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter besser auf die wachsenden Gefahren aus dem Netz vorbereiten“, sagt Peter Graß, Cyberversicherungsexperte des GDV.

Blindes Vertrauen in die Halbgötter in Weiß

Solche gut vorbereiteten Mitarbeiter erwarten Verbraucher vor allem bei Ärzten und Kliniken. Denn laut der Umfrage „Postbank Digitalstudie 2019“, an der 3.126 Bundesbürger teilnahmen, vertrauen 83 Prozent Ärzten und Kliniken am meisten, wenn es um den Schutz ihrer Daten geht. Es folgen Krankenkassen (80 Prozent) und Banken (78 Prozent; Mehrfachnennungen möglich).

Doch gerade bei den Medizinern ist es mit der Datensicherheit nicht weit her. So hatte der Hacking-Experte Michael Wiesner im Auftrag des GDV 25 Arztpraxen einem mehrstufigen Cybersecurity-Test unterzogen. Das Ergebnis sei sehr ernüchternd gewesen, so Wiesner. Die Details dazu nennt er im procontra-Interview.

Hopfen und Malz sind bei den Gewerbetreibenden aber noch nicht verloren. Denn laut der „Cyber-Studie 2019“ des Risikoberaters Willis Towers Watson, wachen immer mehr Firmen hierzulande auf und kümmern sich verstärkt um ihr Cyber-Risikomanagement.

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