Finanztest: Schwache Rentenberatung bei DRV

Berater Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Bedenklich: In den 80 Beratungsgesprächen bezogen laut Bericht nur 15 Berater alle Rentenansprüche (gesetzlich, betrieblich und privat) in ihre Auswertung ein. Ebenfalls nur 15 Berater nutzten für die systematische Erfassung der Rentenansprüche den Analysebogen der DRV. Und nur 14 Berater sprachen in den geführten Gesprächen das Thema Rentenlücke an.

Die besten Beratungen erlebten die Tester bei den Rentenversicherungsträgern Baden-Württemberg, Nordbayern und Bayern Süd. Die Schlusslichter bildeten Rheinland, Westfalen, Oldenburg-Bremen und Mitteldeutschland. Die Terminvereinbarung war teilweise schwierig. In einer Beratungsstelle in Rheinland-Pfalz etwa musste der Tester „mehr als vier Monate auf seinen Termin warten und erhielt dann doch keine umfassende Altersvorsorgeberatung“, schreibt Finanztest.

Dennoch empfiehlt Finanztest: „Jeder sollte den Termin wahrnehmen“ - bei der DRV. Eine Begründung gibt es nicht. Lediglich wird an einer Stelle darauf hingewiesen: „Eine Alternative zur Beratung bei der Rentenkasse gibt es nicht.“ Folgerichtig wird den Versicherten empfohlen, sich selbst gut auf ein solches Gespräch vorzubereiten.

Finanztest verschweigt Alternativen zur Beratung

Doch es gibt sehr wohl Alternativen zur Rentenberatung: kostenpflichtig bei den Rentenberatern, die zum Sozialrecht beraten und wie Anwälte bezahlt werden. Auch Versicherungsberater mit Zulassung nach Paragraf 34d GewO beraten unabhängig zur Altersvorsorge (gegen Honorar) und beziehen dabei die gesetzlichen Rentenansprüche mit ein. Zunächst kostenlos tun dies auch Versicherungsmakler und gebundene Versicherungsvermittler. Bei Abschluss neuer Policen wird Courtage beziehungsweise Provision fällig.

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Kompetenz hat sich die DRV-Bund bei der strategischen Altersvorsorge-Analyse und -forschung erworben. So arbeitet man auch am Projekt „säulenübergreifende Vorsorgeinformation“ mit, die laut Koalitionsvertrag der Bundesregierung für die Legislaturperiode bis 2021 angepeilt wird (procontra berichtete). Die DRV-Bund schlägt dazu als ersten Schritt den Aufbau eines „Registers“ für Betriebsrentenanwartschaften durch Arbeitgebermeldung vor.

Kürzlich hat die DRV die aktuell diskutierten Zusatzrentenmodelle „Deutschlandrente“, „Extrarente“ und „Vorsorgekonto“ analysiert. Fazit: Die Vorschläge lassen viele Fragen offen und sind insgesamt unbefriedigend (procontra berichtete). Der geplante Standard-Riester (procontra berichtete) wurde dabei nicht beleuchtet.

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