BU: Was heißt, zu 50 Prozent berufsunfähig zu sein?

BU-Vorsorge Berater Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Die Qualität der BU-Versicherung zeigt sich erst im Leistungsfall. Daher sind die Bedingungen so wichtig. Hinweise für Makler gab procontra in einer BU-Serie. Die heizte die Branchendiskussion an und zeigt Schwachstellen vor allem bei der Beweislast.

Es gibt zahlreiche „Auftragsgutachter“ für die Versicherungswirtschaft, sagt Michael Wortberg, Referent für Versicherungsfragen bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz Bild: VZ Rheinland-Pfalz

Laut Rating-Agentur Franke und Bornberg wurden 2017 bei sechs wichtigen Versicherern fast 83 Prozent aller BU-Leistungsanträge positiv beschieden. Nach der aktuellen BU-Leistungspraxisstudie ist der häufigste Grund für eine Ablehnung, dass der versicherte Grad der Berufsunfähigkeit (mindestens 50 Prozent sind nötig) nicht erreicht wurde (56 Prozent).

Doch wie lässt sich dieser Grad von mindestens 50 Prozent exakt bestimmen? „Der Kunde hat hier die Beweislast“, sagt Versicherungsmakler Bert Heidekamp, zugleich Analyst und Sachverständiger für BU-, Unfall- und Pflegeversicherungen. Diese Hürde könne er aus eigener Kraft kaum überwinden, wenn der BU-Versicherer das anzweifelt.

Zunehmend seien Gerichte und auch Versicherer im BU-Fall auf die Expertenmeinung von Sachverständigen angewiesen. „Der gerichtliche Sachverständigenbeweis hat in einem Gerichtsprozess den größten Beweiswert“, weiß Heidekamp, der selbst zertifizierter Sachverständiger (DIN EN ISO/IEC 17024BDSF) ist (procontra berichtete). Ein Sachverständiger dürfe nicht nur den zeitlichen Anteil bestimmter Tätigkeiten bemessen, sondern müsse diesen untrennbar als Bestandteil eines beruflichen Gesamtvorgangs werten, so Heidekamp.

Wie neutral sind Gutachter?

Allerdings gibt es offenbar zahlreiche „Auftragsgutachter“ für die Versicherungswirtschaft. Darauf machte Michael Wortberg, Referent für Versicherungsfragen bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, aufmerksam. Er verwies auf einen Fall, bei dem alle Ärzte und Behandler - außer den vom Versicherer beauftragten Medizinern des Gutachteninstituts Interdisziplinäre medizinische Begutachtung (IMB) - bestätigen, dass der BU-Kunde derzeit dauerhaft zu mindestens 50 Prozent nicht in der Lage ist, seinem in gesunden Tagen ausgeübten Beruf nachzugehen. Wegen des Gutachtens zahlte die Generali nicht.

„Das ist kein Wunder“, glaubt Wortberg, denn das IMB werde von Professor Lorenz Schweyer geleitet. Er und weitere seiner Mitarbeiter seien speziell als Auftragsgutachter geschult und nach den Wortberg vorliegenden Unterlagen im größten für die Versicherungswirtschaft tätigen Gutachterinstitut tätig.

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