BU: Dass keiner wegen Unklarheiten leer ausgeht

Berater Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Die Qualität der BU-Versicherung zeigt sich erst im Leistungsfall. Daher sind die Bedingungen so wichtig. Hinweise für Makler gab procontra in einer BU-Serie. Die Branchen-Diskussion offenbart weiteren Transparenzbedarf beim Kleingedruckten.

50 Prozent Berufsunfähigkeit sollte endlich an objektivierten Kriterien festgemacht werden, fordert Hans-Peter Schwintowski, Experte für Privatversicherungsrecht an der Humboldt-Universität. Bild: Pohl

Erste Reaktionen auf die BU-Artikel-Serie in procontra offenbarten, dass Versicherer Kunden nach dem BU-Leistungsantrag gern mal im Ungewissen lassen und nicht selten weniger als 50 Prozent Berufsunfähigkeit behaupten, auch mit Hilfe medizinischer Gutachten (procontra berichtete).

„Der Kunde hat hier die Beweislast“, hatte Versicherungsmakler Bert Heidekamp, zugleich Analyst und Sachverständiger für BU-, Unfall- und Pflegeversicherungen, erinnert. Diese Hürde könne der Kunde aus eigener Kraft kaum überwinden, wenn der BU-Versicherer das anzweifelt.

Professor Hans-Peter Schwintowski, Experte für Privatversicherungsrecht an der Humboldt-Universität zu Berlin, forderte von der Branche klarzustellen, „dass die 50 Prozent Berufsunfähigkeit an objektivierten Kriterien festgemacht wird“. Verlässliche Kriterien könne man zusammen mit Medizinern entwickeln und beispielsweise festlegen, von welchem Grad der Beeinträchtigung an jemand eine BU-Rente bekommt. „Bisher hat die Branche auf diese Idee überhaupt nicht reagiert“, beklagt der Wissenschaftler.

Verbindliche Klarstellung der Bedingungen nötig?

Dass es bei manchen Versicherern Diskrepanzen zwischen Werbung und tatsächlichen BU-Bedingungen und damit Probleme bei der Leistungsregulierung gibt, wissen Makler seit Jahren. Aus diesem Grund hat Helmut Strixner, Geschäftsführer der Strixner IV GmbH, bereits Mitte der neunziger Jahre das Konzept „iv“ entwickelt (steht für innovativ und verbindlich).

Gemeint ist ein Frage-Antwort-Katalog zur BU-Versicherung mit rund 160 Fragen und hunderten von Präzisierungen, bei dem die Versicherer zu wichtigen Details, Definitionen und Erläuterungen klarstellen, wie die Bedingungen gemeint sind (Leistungsgarantie). „Es sind also keine eigenen Bedingungen, sondern Makler und deren Kunden bekommen durch die „Sondervereinbarung iv“ zur BU-Police mehr Sicherheit für die Leistungsregulierung.

Laut Strixner bieten Alte Leipziger, LV 1871, Swiss Life und Nürnberger die Sondervereinbarung zur BU-Police auf Wunsch des Maklers mit an. Früher ließ sich Strixner mit einem Overhead vergüten, inzwischen ist er weitgehend zu einer Servicegebühr übergegangen, die der Kunde über seinen Makler für diesen Produkt-Mehrwert bezahlt (einmalig 99 Euro brutto). „Wenn ein Versicherer die Kosten für den Makler beziehungsweise Endkunden übernimmt, haben wir kein Problem damit“, sagt Strixner. Derzeit übernehme die Nürnberger diese Kosten in Form einer deutlich geringeren Flatrate.

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