Berufsunfähigkeit: Neue Trends am Markt

Berater Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Die BU-Versicherung ist die wichtigste Personenversicherung, und steht doch immer wieder in der Kritik. Um die Transparenz zu erhöhen, bemüht sich die Branche in jüngster Zeit verstärkt um einen kundenfreundlicheren Rahmen. Eine Momentaufnahme.

Längst nicht jeder schwere Unfall oder krankheitsbedingte lange Arbeitsausfall wird als berufsunfähig eingestuft. Im Leistungsfall scheiden sich die Geister. Bild: Pixabay

Die BU-Artikel-Serie in procontra offenbarte, dass Versicherer Kunden nach dem BU-Leistungsantrag gern mal im Ungewissen lassen und beispielsweise weniger als 50 Prozent Berufsunfähigkeit behaupten, auch mit Hilfe medizinischer Gutachten (procontra berichtete). Dass es bei manchen Versicherern Probleme bei der Leistungsregulierung gibt, wissen Makler seit Jahren, und versuchen sich dagegen zu wappnen (procontra berichtete).

Die gescholtenen Versicherer öffnen sich langsam der Kritik. Davon kündigen einige Änderungen der jüngsten Zeit (procontra berichtete). So hat Zurich Deutscher Herold ein komplexes Scoring-Modell eingeführt, dass den Beitrag für BU-Policen noch besser dem Risiko anpassen soll (procontra berichtete). Dazu erhebt das Unternehmen für Neuverträge seit August eine Grundprämie, indem es Kunden in eine von 13 Branchen einstuft. Der finale Beitrag ergibt sich aber erst, wenn weitere Fragen zur Qualifikation, Umfang der körperlichen Tätigkeit, Leitungsfunktion und Berufsstatus beantwortet wurden.

Scoring-Modell bei Zurich und HDI

Nun wird auch nach Rauchern und Nichtrauchern in der BU differenziert. Günstig: Zurich gibt eine fünfjährige Stabilitätsgarantie auf den um Überschüsse reduzierten Nettobeitrag. Ungünstig: Leistungen schon bei Arbeitsunfähigkeit (AU) sind künftig nicht mehr automatischer Bestandteil der Tarife, sondern die sogenannte AU-Klausel nur noch ein optionaler Baustein. Damit riskieren Makler Haftungsprobleme (procontra berichtete). Zudem dürften sich Policen für riskante Berufe durch das Scoring nun noch mehr verteuern.

Auch die HDI Lebensversicherung hat ein neues BU-Scoring eingeführt. Die wichtigste Neuerung: Projektleitung wird nun der Personalführung gleichgestellt. Der Kunde wird ab sofort in der Risikogruppe eingestuft, die optimal zu seinem Berufsbild passt. Zudem profitieren insbesondere die Kernzielgruppen Ärzte, Selbstständige sowie IT- und Kammerberufe von neuen Produktfeatures.

So verzichtet HDI bei Ein-Arzt-Praxen auf Umorganisation im BU-Fall – und das unabhängig von der Mitarbeiterzahl. Viele Mediziner beteiligen sich an humanitären Einsätzen. Auch dabei ist ab jetzt die Absicherung gewährleistet. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Erweiterung der Infektionsklausel. HDI leistet ab sofort auch bei einem teilweisen Tätigkeitsverbot.

Für Menschen mit schweren Krebserkrankungen wurde die Nachweispflicht vereinfacht und eine Erste-Hilfe-Leistung bei Krebs als sofortige befristete Anerkennung für garantiert 15 Monate eingeführt. Hinzu kommt nun ein vereinfachter Nachweis und die BU-Anerkennung bei unbefristeter voller gesetzlicher Erwerbsminderungsrente durch die DRV, wenn die volle Erwerbsminderungsrente allein aus medizinischen Gründen gezahlt wird und der BU-Vertrag bei voller Erwerbsminderung mindestens seit zehn Jahren bestand.

Seite 1: Was Scoring-Modelle in der BU-Sparte bringen
Seite 2: Wie neue Berufsbilder in den Schutz integriert werden
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