„Altersvorsorge darf keine Handelsware sein“

Berater von Michael Fiedler

Run-Off in der Lebensversicherung lässt die Branche nicht zur Ruhe kommen. Doch wie stehen Makler zu dem Thema? Das zeigt eine Umfrage von maxpool aus Hamburg. Poolchef Oliver Drewes spricht von „unverzeihlichem Vertrauensmissbrauch“.

Oliver Drewes Lebensversicherung RunOff Vertrauen

Findet deutliche Worte für Versicherer, die ihre Bestände in den Run-Off schicken: Oliver Drewes. Bild: maxpool

Die Debatte um Run-Off in der Lebensversicherung sorgt sogar für einige Überraschungen: So haben die Verbände AfW und BdV – sonst gern mit unterschiedlichen Ansichten – ein gemeinsames Eckpunktepapier zum Umgang mit Run-Off.
Befeuert wurde die Debatte u.a. vom hohen Beschwerdeaufkommen bei den Run-Off-Anbietern. Doch wie gehen Makler mit dem Thema um? Sie stehen im direkten Kontakt zu den Betroffenen und haben unter Umständen selbst jenen Vertrag vermittelt, der nun in den Run-Off geschickt wird. Gut möglich, dass der Vertrauensverlust auch auf den Vermittler „abfärbt“.
Gerade Makler als Sachwalter ihrer Kunden haben also ein großes Interesse an dem Thema. Wie sie letztlich damit umgehen, wollte maxpool mit einer Umfrage in Erfahrung bringen und befragte rund 7.000 Kooperationspartner.

Run-Off schürt Misstrauen

Ein wichtiges Ergebnis: 75 Prozent der Befragten misstrauen Abwicklungsplattformen und befürchten, dass diese weniger leistungsfähig seien, als aktiv gemanagte Lebensversicherer.
Was also tun? Eine Kündigung der Police gegen Auszahlung des reduzierten Rückkaufswertes erscheint vielen Maklern nicht das Gebot der Stunde zu sein. 96 Prozent würden dazu raten, eine Kündigung sehr genau zu prüfen und bis dahin erstmal am „Run-Off“ teilzunehmen.

Stünde den Versicherten statt des reduzierten Rückkaufwertes allerdings der volle Vertragswert zur freien Verfügung (gleich, ob Vertragskündigung oder für Vertragsübertragung), wie es das Eckpunktepapier vorsieht, würden 54 Prozent der Befragten pauschal zu einem Anbieterwechsel oder zu einer Vertragskündigung raten, 29 Prozent würden trotzdem nochmal genau prüfen wollen und 17 Prozent raten pauschal zu einem Verbleib in der Abwicklungsplattform.
Interessant ist zudem, dass knapp die Hälfte der befragten Versicherungsmakler (47%) angibt, dass eine Beratung hinsichtlich eines etwaigen Anbieterwechsels kostenfrei erfolgen sollte.

„Altersvorsorge darf keine Handelsware sein“

Oliver Drewes, maxpool-Geschäftsführer, sparte nicht an deutlichen Worten in Richtung jener Gesellschaften, die ihre Bestände in den Run-Off gegeben haben: „Die Menschen haben renommierten und traditionsreichen Lebensversicherungsgesellschaften, wie beispielsweise der Generali ihre Altersversorgung anvertraut. Die jetzige Schlechtleistung einzelner Anbieter in der Zinskrise ist schlimm und bedauerlich. Der Vertrauensmissbrauch derjenigen Anbieter, die gegebene Garantieversprechen zusammen mit den Vertragsbeständen an ‚Abwicklungsplattformen‘ vielleicht sogar noch gewinnbringend verscherbeln, ist aus meiner Sicht wirklich unverzeihlich. Eine Peinlichkeit für die ansonsten so robuste und verlässliche Branche. Mein Lichtblick sind diejenigen Lebensversicherer, glücklicherweise die überwältigende Mehrheit, die zu den vertraglichen Garantien weiterhin stehen, auch wenn es vielleicht mal nicht leichtfällt. Untermauert durch unsere Umfrage meine ich im Namen der Mehrheit der Makler zu sprechen, wenn ich sage, dass das Geschäftsmodell der „Run-Off-Anbieter“ moralisch fraglich ist und im Grunde unzulässig sein sollte. Mindestens sollte das Eckpunktepapier der beiden Verbände AfW und BdV mit seinen Forderungen Gehör und Umsetzung finden, damit die Rechte der Versicherten zumindest wieder etwas angeglichen werden. Die Altersversorgung der Menschen darf keine geknebelte Handelsware sein.“

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare