Zielgruppe Landwirte: Warmer Regen benötigt

Berater von Carla Fritz

Verhagelt, vertrocknet, doch gegen Missernten nur teils versichert?! Warum in Erntepolicen vieler Landwirte die Dürreversicherung fehlt, welche Angebote der Markt macht und warum politische Hilfe mehr als willkommen wäre.

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Nach Hitze und Dürre drohen u.a. Maisbauern Ernteausfälle. Bild: shutterstock.com

Der Mai war kühl und nass. – Das füllt, nach einer alten Bauernregel, des Bauern Scheun‘ und Fass. Doch hat es aktuell geradeso gereicht, um die Defizite an Bodenfeuchte aus dem Dürrejahr 2018 wieder einigermaßen aufzufüllen, die im Norden und Nordosten größer waren als im Süden. „Es hätte durchaus noch mehr sein können“, bilanziert Daniel Rittershaus vom Spezialversicherer und Marktführer Vereinigte Hagel. Gerade in Brandenburg mit seinen leichten Sandböden ist nach seiner Einschätzung auch in diesem Jahr wieder mit Ertragseinbußen durch Trockenheit zu rechnen.

Gegen Dürre ist allerdings nur ein Bruchteil landwirtschaftlicher Fläche bundesweit versichert, ca. 200.000 Hektar dürften es Rittershaus zufolge schätzungsweise sein. Bei Hagelschäden, die im Schnitt zu den größten Ernteausfällen führen, sind es demnach mit rund sechs bis sieben Millionen Hektar rund 75 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe. Bei Starkregen – je nach Anbaukultur – 25 bis ca. 50 Prozent.

Mausklick auf dem Acker

Zur Schadenregulierung aufs Feld kommen die Gutachter immer zu zweit und mit dem Tablet: keine Mitarbeiter der Versicherung, sondern versicherte Mitglieder. „Wir sind ja ein Versicherungsverein.“ Geprüft und per Mausklick gleich in die digitalen Schadenakten eingegeben wird dann etwa nach einem Hagelunwetter oder Sturm: Wie viele Pflanzen sind abgeknickt, wie viele Ähren ausgeschlagen, wie viele Blätter geschlitzt? Dokumentiert durch Fotos, hinterlegt mit den GPS-Koordinaten für Aufnahmeort und -zeitpunkt. Bei einem Maisschaden kommen häufig auch Drohnen zum Einsatz. „Mais ist 2,50 Meter hoch. Da kann man nicht sehen, wie es drinnen im Feld ausschaut.“ Mit der Drohne kann man orten: Wo gibt es Schadennester? „Das ist häufig nach einem Sturm der Fall.“ Anhand der digital berechneten Schadenquote wird der Landwirt entschädigt.

Anders bei einem Dürreschaden, der als Kumulrisiko ganze Landstriche, Regionen und Bundesländer betreffen kann. Hier greift ein Index, bei der Vereinigten Hagel etwa ein Niederschlagsindex. Die Bodenfeuchte im Landkreis muss einen bestimmten Wert unterschreiten, damit der Landwirt Entschädigung erhält. Im letzten Jahr wäre das vermutlich immer der Fall gewesen, wenn er denn eine Dürreversicherung gehabt hätte, so Rittershaus. „Eine Indexversicherung ist die Second-best-Lösung“ – aber eine schadenbasierte Versicherung wäre nicht gerade billig mit bis zu zehn Prozent der Versicherungssumme etwa in Brandenburg.

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