„Wohnimmobilien rücken in den Fokus“

Investmentfonds von Stefan Terliesner

Minizinsen: Welche Alternativen gibt es zu Tagesgeld und Staatsanleihen? Und welche Rendite könnten Wohnimmobilienfonds einspielen? Ein Kurz-Interview mit Sonja Knorr, Executive Director und Heads of Alternative Investments bei Scope Analysis.

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Welche Renditeaussichten haben Wohnimmobilienfonds? Sonja Knorr (Scope/Bild) erklärt es im Interview. Bild: Scope Rating

procontra: Warum erleben OIF derzeit einen Ansturm von Anlegern?

Sonja Knorr: Risikoarme Alternativanlagen wie deutsche Staatsanleihen oder Termingelder bieten deutlich geringere Renditen als offene Immobilienfonds. Anleger betrachten OIF daher als attraktive Anlage.

procontra: Haben die Anleger die vergangenen Krisen von OIF vergessen oder sind die Produkte besser geworden?

Knorr: Die Produkte haben sich strukturell verändert. Das Problem der Fristentransformation wurde durch gesetzliche Änderungen reduziert. Die tägliche Anteilscheinrücknahme wurde durch eine zweijährige Mindesthaltedauer und einjährige Kündigungsfrist ersetzt.

procontra: Gelten die neuen Regeln uneingeschränkt auch für ältere OIF?

Knorr: Eine Einschränkung gibt es für Altanleger, die vor Juli 2013 Anteile erworben haben. Sie dürfen weiterhin täglich Anteile in Höhe von 30.000 Euro pro Kalenderhalbjahr zurückgeben. Neue Fonds haben daher den Vorteil, dass sie einheitlichen Rückgaberegelungen unterliegen und somit geringere Liquiditätsquoten vorhalten müssen. Das wirkt positiv auf die Rendite, da die Verzinsung der Liquidität aktuell mehrheitlich negativ ist. Daneben ist ein Handel abseits der Kapitalverwaltungsgesellschaften über die Börsen möglich.

procontra: Was sind typische Zielobjekte für neue Fonds?

Knorr: Die breit diversifizierten Gewerbeimmobilienfonds investieren, je nach ihrer geografischen Ausrichtung, überwiegend in Core- oder Core-Plus-Objekte an guten Standorten. Aufgrund der eingeschränkten Objektverfügbarkeit werden aber zunehmend Kompromisse bei der Lagequalität eingegangen oder in Projektentwicklungen investiert, was zusätzliche Risiken mit sich bringt. Darüber hinaus kaufen die Fonds auf einer Hochpreisphase des Marktes an, was mögliche Abwertungsrisiken birgt.

procontra: Einige Anbieter legen auch Wohnimmobilienfonds auf. Könnte die Politik diesen Fonds einen Strich durch die Rechnung machen - Stichworte sind Enteignung und Mietendeckel?

Knorr: In der Tat, Wohnimmobilien rücken bei einigen Bestandsfonds und vor allem bei neuen Produkten immer stärker in den Fokus. Dabei wird überwiegend in bezahlbaren Wohnraum in Metropolregionen aber auch an Standorten abseits dieser investiert. Die Bestände der OIFs sind aber von der Größe her nicht mit denen der börsennotierten Wohnungsgesellschaften vergleichbar. Dennoch können Mietendeckel Renditen zukünftig begrenzen.

procontra: Wie beurteilen Sie die Renditeaussichten für 2019 und gerne auch für die Jahre danach?

Knorr: Die durchschnittliche Rendite der durch Scope bewerteten OIFs betrug 2018 3,1% p.a. Für 2019 erwarten wir wieder leicht abnehmende Renditen. In den vergangenen Jahren waren neben hohen Vermietungsquoten vor allem steigende Wertänderungsrenditen für Rendite-Zuwächse verantwortlich. Hier deutet sich eine leichte Abschwächung an. Auch dämpfen hohe Liquiditätsquoten nach wie vor die Renditeprognosen. Wir erwarten im Branchendurchschnitt daher ein mittelfristiges Renditeniveau zwischen 2 Prozent und 2,5 Prozent p.a.

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