Versicherungsbetrug oder neue Einbrecher-Masche?

Versicherungen Top News von Martin Thaler

Versicherungsbetrug sorgt jährlich für Schäden in Milliardenhöhe. Wie die Versicherer dagegen mit künstlicher Intelligenz und Big Data vorgehen, verrät Peter Holmstoel, Leiter Kriminalitätsbekämpfung beim GDV, im Interview.

Peter Holmstoel, Leiter Kriminalitätsbekämpfung beim GDV, sieht neben KI und Big Data auch in der Aufklärung über die Folgen ein hilfreiches Mittel bei der Betrugsbekämpfung.

Peter Holmstoel, Leiter Kriminalitätsbekämpfung beim GDV, sieht neben KI und Big Data auch in der Aufklärung über die Folgen ein hilfreiches Mittel bei der Betrugsbekämpfung. Bild: GDV

procontra: Welches Ausmaß hat Versicherungsbetrug heute?

Peter Holmstoel: Wir gehen in der Schaden-/Unfallversicherung von einem jährlichen Schaden in Höhe von fünf Milliarden Euro aus.

procontra: Welche Motivation treibt die Täter?

Holmstoel: Es gibt eine große Spannbreite an Motiven. Für den normalen Betrüger ist die wirtschaftliche Bereicherung das naheliegende Motiv. Grundsätzlich lässt sich sagen, die überwiegende Mehrheit der Kunden redlich ist. Aber für Betrüger gilt: Gelegenheit macht Diebe. Dabei ist klar, Versicherungsbetrug ist keine Ordnungswidrigkeit – es ist eine Straftat!

procontra: Angesichts des hohen Schadens sollte man meinen, dass die Versicherer bestrebt sind, das Problem zu lösen. Wo liegen die Probleme?

Holmstoel: Ein Problem ist sicherlich, dass ein Betrugsverdacht nicht ausreicht, der Versicherer muss den Betrug auch beweisen. Zudem muss man auch den wirtschaftlichen Aufwand der Versicherer berücksichtigen. Bei einem dubiosen Handyschaden in Höhe von 200 Euro ist abzuwägen, ob hier Anwälte und Gerichte bemüht werden sollen. Grundsätzlich gilt aber, die Versicherungsgemeinschaft zu schützen und das schließt die Verhinderung von Betrug mit ein.

procontra: Welche Möglichkeiten der Prävention haben die Versicherer?

Holmstoel: Wir wissen aus Befragungen, dass Täter vor einem Betrug zurückgeschreckt hätten, wenn sie vorher über die möglichen Folgen aufgeklärt worden wären – Aufklärung ist deshalb ein wesentlicher Aspekt. Und natürlich gibt es zunehmend auch technische Möglichkeiten.

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