Nettopolicen: So wenig bekannt wie Provisionshöhen

Berater Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Mitten in das Sommerloch um den schlummernden Referentenentwurf zur Provisionsdeckelung kommt eine Studie, nach der Verbraucher weder die richtigen Provisionshöhen bei Lebensversicherungen noch die Möglichkeit von Nettotarifen kennen.

Da viele Kunden die Vertriebskosten in der Lebensversicherung kaum kennen, bedarf es weiterer Aufklärungsarbeit und höchstmöglicher Transparenz“, meint Holger Kreuzkamp, Vorstand der MyLife Lebensversicherung.

Da viele Kunden die Vertriebskosten in der Lebensversicherung kaum kennen, bedarf es weiterer Aufklärungsarbeit und höchstmöglicher Transparenz“, meint Holger Kreuzkamp, Vorstand der MyLife Lebensversicherung. Bild: MyLife

Verbraucher in Deutschland kennen die Kosten einer privaten Altersvorsorge nur sehr vage. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Online-Umfrage des unabhängigen Marktforschungsinstituts Innofact im Auftrag der MyLife Lebensversicherung unter 1.000 Bundesbürgern zwischen 18 und 65 Jahren.

MyLife konzentriert sich als einziger Lebensversicherer in Deutschland ausschließlich auf echte Netto-Produkte, also Tarife ohne Abschluss- und laufende Provisionen. Die Vergütung des Beraters erfolgt durch ein individuell mit dem Kunden vereinbartes Honorar.

Vor allem die Höhe der in den Verträgen einkalkulierten Provision für den Versicherungsvermittler ist kaum bekannt. So schätzten 57,3 Prozent der Befragten die Provision für einen über 30 Jahre laufenden Vertrag mit einer Beitragssumme von 36.000 Euro auf unter 500 Euro. 11,3 Prozent beantworteten die Frage mit 500 bis 999 Euro. 19,3 Prozent schätzten die Provision auf über 1.500 Euro. Der Mittelwert lag laut Umfrage bei 770 Euro.

Welche Provision realistisch ist

Die tatsächliche Provisionshöhe wird in der Studie nicht genannt. Sie dürfte sich bei dem 30-Jahresvertrag mit 36.000 Euro Beitragssumme zwischen 900 Euro (bei 25 Promille Abschlussvergütung) und 1.440 Euro (bei 40 Promille Abschlussvergütung) bewegen.

Dies entspräche dem Korridor, den der Referentenentwurf für ein „Gesetz zur Deckelung der Abschlussprovisionen von Lebensversicherungen und Restschuldversicherungen“ nennt (procontra berichtete). Allerdings soll dort die Bruttobeitragssumme der Summe aller Beiträge für maximal 35 Jahre entsprechen (neue Paragrafen 50a und 50b VAG).

Die Obergrenze von 4,0 Prozent (= 40 Promille) wäre nur zulässig bei Vorliegen „positiver qualitativer Merkmale“ des Vermittlers. Im Gesetzentwurf sind diese Merkmale zwar näher genannt, aber sehr schwammig formuliert: geringe Stornoquote, geringe Anzahl von Kundenbeschwerden, hochwertige und umfassende Beratung.

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