Milliardenmarkt: So soll Chinas Wirtschaft genesen

Investmentfonds Top News von Jennifer Garic

Chinas Wirtschaft kränkelt. Der Handelsstreit mit den USA und rückläufige Exporte haben die chinesische Industrie stark getroffen. Nun soll ein Konjunkturprogramm dem Land zu neuer Größe verhelfen.

Die chinesische Regierung wird weiterhin alles daran setzen, um eine Krise zu vermeiden, glaubt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management.

Die chinesische Regierung wird weiterhin alles daran setzen, um eine Krise zu vermeiden, glaubt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management. Bild: J.P. Morgan

Chinesische Unternehmen haben es derzeit nicht leicht. Der Handelsstreit mit den USA bremst das Wachstum und drückt auf die Stimmung in der Wirtschaft. Das haben auch Investoren zu spüren bekommen: Die Hauptindizes in Shanghai und Shenzhen haben im vergangenen Jahr mehr als 24 Prozent verloren. Marktbeobachter wie der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) trauen der Volksrepublik für dieses Jahr nur noch ein Wachstum von rund sechs Prozent zu. Für die lange mit hohen zweistelligen Wachstumsraten verwöhnte Volkswirtschaft wäre es das niedrigste Wachstum seit fast drei Jahrzehnten.

„China wird ein wesentlicher konjunktureller Brennpunkt im Jahr 2019 sein“, sagt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management. Zu einer Krise komme es aber nicht. Der Grund: „Die chinesische Regierung setzt weiterhin alles daran, diese zu vermeiden“, ist Galler überzeugt. So hat Peking im März ein milliardenschweres Konjunkturprogramm ins Leben gerufen, um die angeschlagene chinesische Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Steuererleichterungen und Staatsprojekte sollen für Arbeitsplätze und Wachstum sorgen. Außerdem hat die Regierung die People’s Bank of China (PBoC) angewiesen, ihre Kreditvergabe zu lockern. Das soll die Privatwirtschaft und den Konsum ankurbeln.

Konjunkturprogramm zeigt Wirkung

Tatsächlich deutet sich durch die lockere Geldpolitik bereits eine Besserung an. Die Chinesen nehmen wieder mehr Kredite auf, schreiben die Analysten des Mercator Institute for China Studies (Merics) in ihrem aktuellen Marktbericht. Zudem soll das Konjunkturprogramm helfen, die kränkelnde Binnenwirtschaft anzukurbeln. China sei dabei, „den Wandel von einer ‚veralteten‘ exportorientierten Wirtschaft, die sich auf billige Fertigung stützt, hin zu einem Wirtschaftsmodell mit höheren Löhnen“ zu bewältigen“, sagt Will Ballard, Head of Emerging Markets Small Cap Equities bei Aviva Investors. Gelingt das, wären chinesische Unternehmen nicht mehr so stark vom Export abhängig und hätten stabilere Einnahmen.

An Chinas Aktienmärkten zeigte sich zu Beginn des Jahres ein deutlicher Aufschwung. Der Shanghai Composite Index legte von Januar bis Mitte April rund 33 Prozent zu. Viele Anleger vertrauen offenbar auf die Konjunkturmaßnahmen und lassen sich nicht von den sinkenden Wachstumsprognosen abschrecken. Der US-amerikanische Finanzdienstleister MSCI beispielsweise hat vor, chinesischen Aktien eine stärkere Gewichtung im Schwellenländerindex zu geben – ein Zeichen der Zuversicht. „Die höhere Gewichtung könnte allein im Jahr 2019 bis zu 70 Milliarden US-Dollar zusätzlich in den Aktienmarkt lenken und die Rally am chinesischen Aktienmarkt weiter anfeuern“, sagt Mandy Chan, Leiterin für China- und Hong-Kong-Aktien bei HSBC Global Asset Management. China bleibt somit trotz des nachlassenden Wirtschaftswachstums und des Handelsstreits mit den USA Vorreiter der Schwellenländer.

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