Handelskrieg zwischen USA und China: Profitieren europäische Lebensversicherer?

Versicherungen Top News von Michael Fiedler

Europäische Lebensversicherer könnten zu den Profiteuren vom Handelskrieg zwischen China und den USA werden. Denn die chinesischen Märkte öffnen sich gerade. Verpassen die Amerikaner eine historische Chance?

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In 10 Jahren hat sich das Durchschnittseinkommen in China verdreifacht. Bild: TonyV3112 / Shutterstock.com

Die chinesischen Lebensversicherer melden einen starken Anstieg des Neugeschäfts. Der für chinesische Aktien zuständige Fondsmanager Greg Kuhnert von Investec Asset Management freut sich über das gute Ergebnis chinesischer Versicherungstitel: „Den größten Anteil am Mehrertrag hatte im Berichtsquartal die Einzelwertauswahl im Finanzsektor, vor allem bei Versicherungen. Dazu zählt neben Ping An Insurance auch die AIA Group. Beide Unternehmen verzeichnen ein stark wachsendes Neugeschäft. Außerdem hat sich die Qualität der Aktiva in der Banksparte von Ping An verbessert“, schreibt Kuhnert in einem Marktbericht.

Fernost: Robuste Konjunktur trotz Handelskrieg

Hintergrund ist die anhaltend robuste Konjunktur in Fernost, der auch der Handelskrieg mit den USA nichts auszumachen scheint. Während Branchenexperten das Kräftemessen der beiden Nationen eher argwöhnisch beäugten, mehren sich zuletzt Stimmen, die Peking im Vorteil sehen. „China hat eine gewisse Wachstumsstabilisierung erreicht“, bemerkte der Chefinvestmentstratege der Union Bancaire Privèe (UBP) Anthony Chan in einem Marktkommentar. Trumps Zollerhöhungen konterte China zuletzt mit einer Abwertung des Yuan – mit deutlichem Spielraum nach unten: „Trotz Abschwächung nach der Zollankündigung vom 1. August über die politisch sensiblen 7 Yuan pro US-Dollar hinaus, bleibt die chinesische Währung weit hinter den 7,50 pro US-Dollar zurück, die die angekündigten Zölle vollständig ausgleichen würden“, schreibt Norman Villamin, Chief Investing Officer von UBP.

China: Dreifaches Jahresgehalt in 10 Jahren

Die anhaltende Konjunktur macht sich in den Lohntüten der Chinesen bemerkbar: Innerhalb von 10 Jahren hat sich das durchschnittliche Jahresgehalt eines Beschäftigten in China von 24.721 Yuan auf 74.318 Yuan verdreifacht. Die umgerechnet etwas mehr als 11.000 Dollar Jahreseinkommen sind Grundlage genug, sich über die Altervorsorge Gedanken zu machen. Der Markt wird daher zunehmend auch für ausländische Versicherer interessant: „Bei AIA hofft der Markt auf ein hohes Wachstumspotential in China, das seinen Markt jetzt für ausländische Lebensversicherungen öffnet“, so Kuhnert von Investec AM.

Von dem US-chinesischen Handelskrieg könnten daher vor allem Europäische Anbieter profitieren, heißt es beim Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV). Die deutschen Branchenriesen Allianz und ERGO sind bereits seit 1999 bzw. 2013 mit Lebensprodukten im chinesischen Markt aktiv. Noch kommen ausländische Versicherer mit ihren Joint-Ventures auf einen Marktanteil von lediglich knapp sechs Prozent im Lebensversicherungsgeschäft, doch die Kapitalbeschränkung für ausländische Unternehmen soll demnächst entfallen. Gut möglich, dass die Europäer diese Chance nutzen, während US-Firmen diese historische Chance verpassen würden.

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