Fondsgebundene Rentenversicherung nimmt wieder Fahrt auf

Versicherungen LV-Check von Michael Fiedler

Altersvorsorge: Fondspolicen können marktweit wachsende Einnahmen verbuchen. Das fondsgebundene Geschäft trotzt dem Niedrigzinsumfeld und setzt den Aufwärtstrend der letzten Jahre fort.

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LV-Check: Das Fondsgeschäft nimmt Fahrt auf und bestätigt den Trend der Vorjahre. Bild: shutterstock.com

Die dauerhaft niedrigen Zinsen setzen auch den Rentenversicherungen zu. Sinkende Garantieverzinsungen sorgten dafür, dass sich immer mehr Verbraucher von der konservativen Altersvorsorge abwendeten, auch weil immer mehr Anlagealternativen wie z.B. ETFs auf den Markt traten, nicht zuletzt durch die seit einigen Jahren immer aktiver werdenden Robo Adviser. Der große Klassiker private Rentenversicherung verblasste dahinter: Besaßen 2015 einer Statista-Erhebung zufolge noch 16,87 Millionen Deutsche eine private Rentenversicherung, sank die Zahl in den Folgejahren auf 16,43 (2016), 16,31 (2017) und 16,23 Millionen im Jahr 2018. In diesem Jahr stieg die Zahl erstmals wieder an: Auf 16,34 Millionen – und das Jahr ist noch nicht einmal abgeschlossen. Deutet sich hier eine Trendwende an?

Genau genommen könnten es zwei Trendwenden sein. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) legt in seiner neuesten Publikation „Die deutsche Lebensversicherung in Zahlen 2019“ Wert auf die Feststellung, dass ein Trend hin zur rentenförmigen Auszahlung der Lebensversicherung geht. In derselben Schrift zeigt der GDV, dass die Beitragseinnahmen aus den Kapitalversicherungen von 15,4 auf 14,7 Milliarden Euro zurückgegangen sind, während fondsgebundene Produkte im selben Zeitraum von 11,9 auf 12,4 Milliarden Euro anstiegen. Setzt sich dieser Trend fort, könnte es also gut sein, dass eines Tages die Einnahmen der Versicherer aus den Fondsprodukten denen aus der Kapitalversicherung übersteigen. Bereits der LV-Check 2018 zeigte, welche Gesellschaften besonders stark im Fondsgeschäft abschnitten.

Steuer: Vorteil Fondspolicen

Fans der Fondspolicen sehen die Vorteile vor allem in der Besteuerung: Vorausgesetzt, man ist über 60 und hat mindestens 12 Jahre in die Versicherung eingezahlt, profitiert man von einer steuerlichen Entlastung. Je älter man bei Rentenbeginn ist, desto geringer wird der Anteil, den man von der privaten Rente versteuern muss. Auch ein Wechsel der Fonds ist steuerfrei – dies trifft auf Fondssparpläne beispielsweise nicht zu. Zudem gibt es bis dato gar keine Fondssparpläne mit einer lebenslangen Rentenzahlung. Der Bund der Versicherten (BdV) e.V. sieht dieses Wunderpaket dennoch skeptisch: „Trennen Sie Versicherungsschutz und Geldanlage“ lautet seit langem dessen Mantra.

Impulse aus den Alpen

Vor allem aus den Alpenländern Liechtenstein und Schweiz kamen zuletzt neue Impulse: Zurich nahm kürzlich fünf ESG-Einzelfonds in die Auswahl auf, während Liechtenstein Life auf Größe setzt und eine Kooperation mit der siebtgrößten Fondsgesellschaft Dimensional vorstellte. Gordon Diehr von Liechtenstein Life greift damit auch eine alte Forderung der Verbraucherschützer auf: „Verbraucher interessieren sich immer mehr dafür, in welche Finanztitel die Fondsmanager ihrer Wahl engagiert sind“, so der COO der Liechtensteiner.

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