Cyber-Risiko: Firmen endlich aufgewacht

Berater Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Das Trommeln von Experten und die Verbreitung von Schadenfällen in den Medien tragen offenbar Früchte: Deutsche Firmen kümmern sich endlich in der Breite um ihr Cyber-Risikomanagement. Was eine neue Studie offenbart und wo Makler ansetzen können.

„Unternehmen in Deutschland erkennen zunehmend die potenziellen Gefahren durch Cyber-Angriffe“, sagt Mathias Pahl, Geschäftsführer von Willis Towers Watson.

„Unternehmen in Deutschland erkennen zunehmend die potenziellen Gefahren durch Cyber-Angriffe“, sagt Mathias Pahl, Geschäftsführer von Willis Towers Watson. Bild: Willis Towers Watson

Das Cyber-Risikomanagement hat deutlich an Bedeutung gewonnen. 86 Prozent finden die Möglichkeit, Cyber-Risiken in eine eigene Versicherungs-Police zu transferieren, interessant. Dabei kennen allerdings nur 36 Prozent den Umfang einer Cyber-Versicherung, und es bestehen nach wie vor Unsicherheiten, was die Abgrenzung zu bestehenden Deckungen angeht.

Das sind die Ergebnisse der „Cyber-Studie 2019“ des Risikoberaters Willis Towers Watson unter zahlreichen Firmen verschiedener Branchen in Deutschland. „Die Firmen in Deutschland sind endlich aufgewacht und erkennen die potenziellen Gefahren durch Cyber-Angriffe“, sagt Mathias Pahl, Geschäftsführer bei Willis Towers Watson in Deutschland. „94 Prozent der Teilnehmer sehen Cyber-Risiken als relevant an, Cyber-Sicherheit wird zunehmend zur Chefsache“, so der Head of Corporate Risk and Broking weiter.

Zu ähnlichen Ergebnissen für KMU kam eine Studie der Gothaer Versicherung in diesem Jahr (procontra berichtete) sowie dem Hiscox Cyber Readiness Report und eine YouGov-Maklerumfrage im Auftrag von HDI (procontra berichtete). Den Vergleich von Cyber-Deckungen für Makler erleichtern verschiedene Tools und Analysen, darunter der Gewerberechner der Vema-Maklergenossenschaft (procontra berichtete).

Versicherung nur für das Restrisiko

Als größte Herausforderung im Umgang mit Cyber-Risiken sehen die Firmen laut Cyber-Studie die Risikoeinschätzung bzw. -erfassung (39 Prozent) sowie die quantitative Bewertung von Schadensszenarien (32 Prozent). Sind mögliche Cyber-Risiken identifiziert, sollten sie mit Hilfe des entsprechenden Risikoprofils adäquat abgedeckt werden“, sagt Studienleiter Gerald Sonnleitner, Cyber-Experte bei Willis Towers Watson. Das Restrisiko sollte erst abschließend mit einer Cyber-Versicherung ausgeschlossen werden.

Auf einen Cyber-Angriff haben sich laut Studie bisher 49 Prozent mit einem Notfall-Management-Konzept vorbereitet – das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Auch die Zahl der Firmen, die zwar noch keine Cyber-Sicherheitsstrategie besitzen, jedoch dringenden Bedarf sehen, ist auf 49 Prozent gestiegen (2018: 41 Prozent). „Nur noch zwei Prozent der Teilnehmer sehen dieses Risiko für ihr Unternehmen nicht“, so Sonnleitner (Vorjahr: 20 Prozent). „Das bestätigt uns auch der zehnfache Anstieg bei der Schaffung eines Cyber-Maßnahmenkatalogs.“

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