Crowdinvesting: Schwärmerei mit Risiko

Sachwerte Top News von Martin Thaler

Crowdinvestments boomen – nun lockert die Politik auch noch die Regeln. Dennoch sollten Vermittler auf mögliche Risiken hinweisen.

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Crowdinvestments können extrem riskant sein. Vermittler sollten das bei der Kundenansprache bedenken. Bild: shutterstock.com

Anleger, die im ersten Quartal in geschlossene Immobilienfonds investieren wollten, mussten lange suchen: Mit gerade einmal drei neuen Publikums-AIFs am Markt registrierte die Berliner Ratingagentur Scope beim Angebotsvolumen einen „neuen Tiefstand“.

Während der Markt für geschlossene Fonds schwächelt, strotzt der für Crowd-Investments vor Kraft. Im vergangenen Jahr wuchs das Volumen erfolgreich platzierter Crowdinvestments im Vergleich zum Vorjahr um gut 50 Prozent auf 297 Millionen Euro. Seit 2011 wächst die Branche sogar durchschnittlich um 114 Prozent pro Jahr. „Auch in Zukunft gehe ich von einem starken Marktwachstum aus“, sagt Uli Fricke, Vorstandsmitglied im Bundesverband Crowdfunding. Schließlich biete die Branche Anlegern zahlreiche Vorteile: „Die Anleger können, anders als bei offenen oder geschlossenen Fonds, selbst auswählen, in welche Objekte sie investieren wollen und so mit wenigen Klicks ihr Investment-Portfolio diversifizieren.“

Waren es anfangs junge Unternehmen, die per Crowdinvesting Anlegergelder einsammelten, ist seit 2016 die Immobilien-Branche maßgeblicher Akteur. 71 Prozent betrug ihr Marktanteil 2018 – mit steigender Tendenz. Immobilien-Investments seien derzeit der größte Wachstumstreiber der Branche hielt auch der Bundestags-Finanzausschuss in seinem aktuellen Evaluationsbericht fest. Zudem investierten Anleger in Energieprojekte und seit vergangenem Jahr Schiffe. Auf Unternehmen entfielen hingegen nur noch rund 27 Prozent aller Investments.

Förderung durch Bundesregierung

Mit aktiver Förderung trägt die Bundesregierung zum Florieren der Crowdinvesting-Branche bei. So gilt für Crowdinvestment-Projekte mit einem Emissionsvolumen von unter 2,5 Millionen Euro eine Befreiung von der Prospektpflicht. „Ursprünglich war diese Ausnahmeregelung eingeführt worden, um gezielt Start-Ups und innovativen Projekten Finanzierungsmöglichkeiten abseits der Banken zu bieten“, erläutert Wolf Brandes, Teamleiter Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale Hessen, und kritisiert: „Besonders innovativ finde ich eine Immobilienfinanzierung nicht.“

Die Politik sieht in der Immobilienfinanzierung über den Schwarm indes offenbar kein Problem. „Es bestehen keine zwingenden Gründe, warum eine Immobilienfinanzierung über Crowdfunding-Plattformen nicht möglich sein soll“, heißt es im Evaluationsbericht. Stattdessen erhöhte die Politik den geltenden Schwellenwert bei der Prospektbefreiung von derzeit 2,5 auf sechs Millionen Euro. Auch die Investitions-Schwellenwerte für die Anleger wurden nach oben geschraubt: Unter bestimmten Voraussetzungen sind Investments in Höhe von 25.000, statt wie bisher 10.000 Euro möglich. „Hierdurch werden größere Crowdinvestments auch für Business Angels interessant, von deren Expertise dann wieder die Kleinanleger profitieren können“, glaubt Fricke.

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