BU-Serie (VI): Die Krux mit dem Vergleich von BU-Tarifen

Berater Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Die Qualität einer BU-Versicherung zeigt sich erst im Leistungsfall. Daher sind die Bedingungen so wichtig. Hinweise für Makler gibt BU-Sachverständiger Bert Heidekamp in einer Serie. Heute: Wie Makler am besten BU-Tarifvergleiche schaffen.

Beim Marktvergleich von BU-Tarifen geht es häufig über den Preis, auch werden einzelne Klauseln oft überbewertet, sagt BU-Sachverständiger Bert Heidekamp.

Beim Marktvergleich von BU-Tarifen geht es häufig über den Preis, auch werden einzelne Klauseln oft überbewertet, sagt BU-Sachverständiger Bert Heidekamp. Bild: Pohl

„Ein Drittel bis die Hälfte der getesteten BU-Tarife wird sehr gut oder exzellent bewertet und auch die Anzahl der Testsiegel hat sich inflationär entwickelt“, kritisiert Versicherungsmakler Bert Heidekamp, zugleich Analyst und Sachverständiger für BU-, Unfall- und Pflegeversicherungen. Das führe zunehmend zu Verunsicherung, statt Vertrauen oder Orientierung zu geben.

Nicht zuletzt deshalb hat Heidekamp auch die Online-Plattform fairtest.de gegründet, die Versicherungsbedingungen analysiert und bewertet. „Ich konzentriere mich in diesem Presseartikel auf andere Ratings und Vergleiche, die von Maklerkollegen vielfach unkritisch als heiliges Expertenwissen verwendet werden“, weiß Heidekamp aus Erfahrung.

Jedes Ratingergebnis sei subjektiv zu betrachten, das gelte auch für die Ergebnisse von fairtest.de. „Jeder Vermittler setzt Prioritäten, doch je weniger Spezialwissen, desto größer die Gefahr falscher Prioritäten“, so der BU-Sachverständige. Er wisse aus Gesprächen, dass es für manchen Vermittler viel wichtiger ist, dass im BU-Bedingungswerk keine Ausschluss-Klausel für Vorsatzdelikte im Straßenverkehr enthalten ist als eine Arbeitsunfähigkeits-Klausel (procontra berichtete).

Mehrere Ratings im Blick behalten

Oder dass die Anzahl der Nachversicherungsmöglichkeiten wichtiger ist als die damit verbunden Voraussetzungen. Oder wer künftig die Möglichkeit des Einschlusses der neuen Teilzeitklausel nicht berücksichtigt (procontra berichtete), könnte im BU-Fall benachteiligt werden. Oft würden Tarife selektiert, ohne die Wünsche des Kunden zu kennen und „nicht selten blind die Ergebnisse eines Ratings oder Vergleichs übernommen“, warnt Heidekamp. Einen Ausweg sieht der Experte darin, die Ergebnisse von beispielsweise fünf unterschiedlichen BU-Ratings zu summieren. „Es könnte ein Anhaltspunkt sein, dass ein Tarif gut ist, wenn er überall Bestnoten erhalten hat“, so der Makler.

Bei vielen Vergleichen steht der Beitrag laut Heidekamp im Vordergrund. Dies könnte langfristig den Versicherern, Vermittlern und letztlich den Kunden schaden. „Vermittler, die allein über einen Prämienvergleich arbeiten, haben ihren Beruf verfehlt“, stellt Heidekamp klar. Wer zum Beispiel für fünf Euro Beitragsersparnis Lücken im Versicherungsschutz riskiert, habe vielleicht schnellen Umsatz, aber später einen Haftungsprozess am Hals. Die Versicherer sind da nicht ganz unschuldig, förderten sie doch Umsätze über Provisionstreiberei und unterstützten noch heute Ratings, die den Preisvergleich in den Vordergrund stellen.

„Kunden kündigen zum Teil sehr gute Bestands-Tarife über Clark & Co., um sich dort günstiger neu zu versichern“, hat Heidekamp beobachtet. Viele hätten dabei nachweisbar wichtige Klauseln in ihren BU-Bedingungen nicht mehr versichert. „Qualität ist nicht alles, aber ohne Qualität ist alles nichts“, hat Professor Hans-Peter Schwintowski, ausgewiesener Experte für Privatversicherungsrecht, Humboldt-Universität zu Berlin, anlässlich der Verleihung von Qualitäts-Awards in der Pflegeversicherung 2018 gesagt, als er über die Risiken von Prämienvergleichen sprach (procontra berichtete).

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