BU-Serie (V): Berufsunfähig - und nun?

Berater Recht & Haftung Versicherungen Meistgeklickt von Detlef Pohl

3. Vorvertragliche Anzeigenpflichtverletzung. Der Kunde muss die Gesundheitsfragen bei Vertragsabschluss wahrheitsgemäß beantworten und auch alle Erkrankungen angeben, nach denen in Textform gefragt wird. Schummeln lohnt nicht, denn im BU-Fall wird der Versicherer nachträglich vom Vertrag zurücktreten oder zumindest keine BU-Leistung bezahlen. „Durch ein selbstständiges Beweisverfahren könnte der Sachverständige für zusätzliche Sicherheit beim Rechtsstreit sorgen“, so Heidekamp.

Falschangaben können teuer werden

Besonders bei Anträgen mit verkürzten Gesundheitsfragen gebe es in jüngster Zeit immer wieder Fälle, wo Versicherer den Vertrag wegen arglistiger Täuschung des Kunden erfolgreich angefochten haben. Beispiel: Der Kunde hatte eine MS-Erkrankung nicht angegeben, da nicht danach gefragt wurde. Aber die Frage, ob er uneingeschränkt arbeiten kann, bejahte der Versicherte, obwohl er um seine krankheitsbedingten Einschränkungen wusste. Das Oberlandesgericht Karlsruhe gab dem Versicherer recht, der somit nicht zahlen muss (Az.: 12 U 156/16).

4. Nachprüfung: Bei der Nachprüfung einer laufenden BU-Leistung muss darauf geachtet werden, dass für die Beurteilung auf die Tätigkeit abgestellt wird, die in der Leistungsanmeldung geschildert wurde und die dem Anerkenntnis zugrunde liegt. Ist das Anerkenntnis nicht befristet, kann sich der Versicherer nur im Nachprüfungsverfahren aus seiner Leistungspflicht lösen.

Fingerspitzengefühl bei der Schadenhilfe

Auch wenn die Schaden-/Leistungsbearbeitung dem Pflichtenkreis des Versicherungsmaklers zugerechnet wird, sollte im BU-Fall überlegt werden, wie weit man als Makler selbst den Fall begleiten möchte. „Vor Anmeldung eines Leistungsfalls würde ich den Fall einem spezialisierten Sachverständigen übergeben, wenn ich als Vermittler unsicher bin“, ermuntert Heidekamp seine Kollegen zur Netzwerkarbeit.

„Haftungsrisiken kann gerade auch die Schadenhilfe mit sich bringen“, weiß der Sachverständige. So seien Fristenhinweise und Rechtsfolgen zu berücksichtigen, insbesondere bei befristeten Anerkenntnissen und AU-Leistungen.

Die bisherigen Teile der Serie

Zur Chronologie der sechsteiligen BU-Serie: Im ersten Teil ging es am 18. Juli um die innovative Teilzeitklausel, die es Teilzeitbeschäftigten ermöglicht, im BU-Fall faire Leistung zu bekommen. Im zweiten Teil stand am 25. Juli die Kindervorsorge im Mittelpunkt. Teil drei befasste sich am 1. August mit der Beitragsfreiheit der Altersvorsorge im BU-Fall, Teil vier am 8. August mit Problemen zwischen BU- und Krankentagegeld-Schutz bei längerer Arbeitsunfähigkeit.

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