BU-Serie (V): Berufsunfähig - und nun?

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Zunehmend Sachverständige in BU-Prozessen

Das A und O sei die Dokumentation der Beratung. Wer beispielsweise auf die Teilzeitklausel im Angebot verzichtet und dies nicht dokumentiert, könnte in die Haftungsfalle tappen. Zunehmend erforschen Gerichte nach Heidekamps Beobachtung die „Rückwärtsbetrachtung“. Das bedeutet: Das Gericht kann bei einem Sachverständigen anfragen, welche Tarife im Jahr des Vertragsabschlusses möglich waren (unter Berücksichtigung der Annahmewahrscheinlichkeit) und inwieweit sie sich unterscheiden. Die Ergebnisse dazu liefern heutzutage zunehmend Rating-Unternehmen.

Laut Rating-Agentur Franke und Bornberg wurden 2017 bei sechs wichtigen Versicherern fast 83 Prozent aller BU-Leistungsanträge positiv beschieden. Nach der brandaktuellen BU-Leistungspraxisstudie ist der häufigste Grund für eine Ablehnung, dass der versicherte Grad der Berufsunfähigkeit (mindestens 50 Prozent sind nötig) nicht erreicht wurde (56 Prozent). Zweihäufigste Ursache sind Anfechtung oder Rücktritt durch den Versicherer wegen Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht durch den Kunden (24 Prozent). Makler sollten solche Statistiken kennen, so Heidekamp.

In diesem Zusammenhang findet er BU-Verträge mit Leistung bei Arbeitsunfähigkeit (AU-Klausel) wichtig (procontra berichtete). Aus seiner Erfahrung würde die Anerkennung der BU-Leistung durch den Versicherer bei Policen mit AU-Klausel in 30 Prozent der Fälle gelingen. Ohne diese Klausel bekämen Kunden zumindest nicht so schnell und reibungslos eine BU-Leistung.

Wichtige Punkte bei der Leistungsprüfung

Zunehmend seien Gerichte und auch Versicherer im BU-Fall auf die Expertenmeinung von Sachverständigen angewiesen. „Der gerichtliche Sachverständigenbeweis hat in einem Gerichtsprozess den größten Beweiswert“, sagt Heidekamp, der selbst zertifizierter Sachverständiger (DIN EN ISO/IEC 17024BDSF) ist und nach eigenen Angaben mehrere Prüfungen absolviert und somit eine somit eine internationale Anerkennung hat.

Im BU-Fall kommt es auf mehrere Punkte an, zum Beispiel:

1. Die bisherige Tätigkeit muss genau beschrieben werden. Konkret ist der zuletzt vor Eintritt des Versicherungsfalls ausgeübte Beruf maßgeblich und muss genau und nicht durch Sammelbegriffe beschrieben werden (konkrete Arbeitsbeschreibung). „Dazu gehören Arbeitsfeld und die Anforderungen im Einzelnen, so dass für einen Außenstehenden nachvollziehbar ist, welche Leistungsfähigkeit noch besteht“, erklärt Heidekamp.

2. Tätigkeiten und deren Zeitanteil. Attestiert ein Gutachter des Versicherers nur 20 Prozent BU, sei es ratsam zu prüfen, ob der Maßstab überhaupt stimmt. „Es ist nicht nur der zeitliche Anteil bestimmter Tätigkeiten zu bemessen, sondern diese untrennbar als Bestandteil eines beruflichen Gesamtvorgangs zu werten“, betont Heidekamp. Mit der neuen Teilzeitklausel (procontra berichtete) käme der zeitlichen Bewertung in Bezug auf den BU-Grad eine neue Bedeutung zu, die es ebenfalls zu berücksichtigen gelte.

Übrigens: Hat ein Rechtsanwalt für seinen BU-Mandanten ein Privatgutachten als Gegengutachten angefordert, wäre es ratsam, das Gericht darüber zu informieren und den Sachverständigen unbedingt mit zum Gerichtstermin zu nehmen, rät Heidekamp. Grund: So könne eine Gegenüberstellung gewährleistet und zudem geprüft werden, ob der gerichtlich bestellte Sachverständige sich mit allen Argumenten auseinandergesetzt hat.

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