BU-Serie (V): Berufsunfähig - und nun?

Berater Recht & Haftung Versicherungen Meistgeklickt von Detlef Pohl

Berufsunfähig - und nun? Wie Makler im BU-Fall helfen können, zeigt der BU-Sachverständige Bert Heidekamp im fünften Teil der Serie um die Qualität von Berufsunfähigkeitsversicherungen, Leistungsfall und BU-Bedingungen.

Im BU-Fall erwartet der Kunde schnelle Leistung, doch die individuelle Prüfung dauert. Gut, wenn der Makler Erfahrung mit der Leistungsregulierung hat, sagt BU-Sachverständiger Bert Heidekamp. Bild: Pohl

„Wenn der Kunde Leistungen beantragt, schlägt für ihn die Stunde der Wahrheit“, erklärt Versicherungsmakler Bert Heidekamp, zugleich Analyst und Sachverständiger für BU-, Unfall- und Pflegeversicherungen. Verunsicherung sei oft die Regel bei der Erstprüfung der BU, hat Heidekamp beobachtet. Das müsse aber nicht sein.

Heidekamp ist auch Inhaber der Online-Plattform fairtest.de, die Versicherungsbedingungen analysiert und bewertet sowie Hilfen rund um den Versicherungsschutz anbietet. Darüber hinaus begleitet Heidekamp Kunden auch bei der Beantragung von BU-Leistungen. „Besonders vor der ersten Antragstellung auf Leistung aus der BU-Versicherung sollten Makler das Vorgehen mit dem Kunden besprechen und je nach Situation einen Sachverständigen hinzuziehen“, weiß Heidekamp. Günstig sei es auch, eine Privat-Rechtsschutzversicherung wegen des Prozesskostenrisikos zu besitzen. Wichtig: Die Rechtsschutz-Police muss mindestens drei Monate vor BU-Vertragsabschluss bestanden haben, wenn es sich um eine vorvertragliche Anzeigenpflichtverletzung handelt.

Anwälte mit ins Boot holen, aber es gibt auch Schattenseiten

In der Regel hat der Vermittler entweder im Agenturvertrag mit dem Versicherer oder der Makler mit dem Kunden über den Maklervertrag auch eine Betreuungsverpflichtung im Leistungsfall vereinbart. „Beantragt aber der Vermittler die BU-Leistung für seinen Kunden, darf er keine Fehler machen“, sagt der Makler. Manche Berufskollegen seien zu wenig fit im BU-Fall. Die Einschaltung eines Rechtsanwalts wäre eine Möglichkeit, „doch da gibt es Sonnen- und Schattenseiten“, so der BU-Sachverständige.

Ihm lägen BU-Fälle vor, wo ein Fachanwalt für Sozialrecht Ansprüche des Kunden auf Erwerbsminderungsrente durchboxte, aber bei der BU-Rente komplett scheiterte. „Bei Fehlern ist es aber sehr schwer, diese Fälle noch zu retten“, weiß Heidekamp aus Erfahrung. Auch Fachanwälte für Versicherungsrecht - dieser Fachanwaltstitel wurde 2003 eingeführt – seien von unterschiedlicher Qualität, zumal sich einige in der Gewerbe- oder Schadensparte spezialisiert haben, nicht aber auf BU-Absicherung. Einige vertreten regelmäßig Versicherer, was zu Interessenkonflikten führen könnte.

Bei Streit mit dem Versicherer im BU-Fall können unterschiedliche Gerichte zuständig sein. Beispiel betriebliche BU-Versicherung: Lehnt der Versorgungsträger die Leistung aus einer betrieblichen BU-Versorgung ab, so könnte das Arbeitsgericht zuständig sein, wo zahlreiche Besonderheiten gegenüber Verfahren vor den Zivilgerichten zu beachten sind. „Darüber sollte der Vermittler schon bei der Anbahnung von bAV-Geschäften den Arbeitgeber und die Arbeitnehmer informieren“, rät Heidekamp.

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