BU-Serie (IV): Fallen bei BU, AU und KTG umgehen

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Zusammenspiel zwischen Krankentagegeld und AU-Leistung

Beim Zusammenspiel mit Krankentagegeld-Versicherungen (KTG) und AU-Leistungen aus BU-Policen ist laut Heidekamp einiges zu beachten. „Grundsätzlich muss der KTG-Versicherer den BU-Fall beweisen, um seine Leistung einstellen oder den Vertrag kündigen zu können“, stellt der Sachverständige klar. Doch bereits nach sechs Monaten wurde bei einigen ihm vorliegenden Versicherungsfällen die KTG-Police aufgrund vermuteter oder begründeter Berufsunfähigkeit gekündigt. „Für den Kunden kann das katastrophal sein, denn das Gegenteil zu beweisen fällt schwer und endet oft vor Gericht“, so Heidekamp.

Einige Versicherer hätten zudem ihre KTG-Bedingungen zum Nachteil der Versicherten erweitert. Danach reicht eine privat oder betrieblich versicherte BU-Leistung aus, um den KTG-Vertrag zu kündigen. „Der Berater sollte vor Vertragsabschluss die KTG-Bedingungen genau lesen und im Zweifel beim Versicherer dazu anfragen“, rät Heidekamp. Denn die Benachteiligung stehe in den Bedingungen drin. Für fairtest.de erarbeitet der Analyst gerade eine Auswertung mit über 40 Wertungsfragen zum KTG.

Absolut negativ seien Klauseln, die bereits bei Antragstellung auf eine private oder gesetzliche BU/EU-Leistung dem KTG-Versicherer die Kündigung ermöglichen. Es könne sogar noch schlimmer kommen: „Wenn der Kunde eine AU-Leistung auf einem Formblatt des Versicherers beantragt, was auch die BU-Leistungen berücksichtigt, verliert er ab diesem Moment seinen Leistungsanspruch“, sagt Heidekamp, dem dieses Vorgehen auch vom Produktmanagement eines Versicherers bestätigt wurde. „Wenn möglich, sollte der KTG-Tarif gewechselt werden“, empfiehlt der Spezialmakler. Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr wechseln kann, habe allerdings Pech.

Mitunter unsichtbare Obliegenheiten

Ein weiteres Risiko im KTG-Vertrag ist, wenn der Kunde seinem Versicherer mitteilen muss, dass er zwischenzeitlich eine BU-Versicherung mit AU-Leistungen abschließt. Heidekamp liegen Antworten von Versicherern vor, die dies verlangen, ohne dass es als Obliegenheit explizit in den KTG-Bedingungen steht. „So etwas geht gar nicht und um solche Anbieter sollte man eher einen Bogen machen“, warnt der Gutachter. Berater, Kunden und Versicherer können diese und andere Detailauswertungen bei fairtest.de einkaufen.

Vermittlerkollegen sollten bei der Auswahl von KTG- und BU-Tarifen auf deren Wechselwirkungen achten und sich gegebenenfalls von den Versicherern Bestätigungen für kundenfreundliche Regulierung einholen, rät der Analyst. Je umfangreicher die BU-Bedingungen, desto mehr Zahnräder greifen ineinander – auch bei der Antragstellung von AU- oder BU-Leistungen. „Wer sich da nicht fit fühlt, könnte dem Kunden schaden und muss später womöglich seine Haftpflichtversicherung bemühen“, ermuntert Heidekamp zu professioneller Recherche und Netzwerkarbeit.

Da Heidekamp selbst bei seinen Kunden auch die Leistungsprüfung begleitet, weiß er um die zahlreichen Fallstricke. „Bereits die bloße telefonische Anmeldung einer BU-Leistung kann zum Beispiel schon ein Fehler sein, wenn der Vertrag keine zehn Jahre alt ist“, sagt der Gutachter.

Die bisherigen Teile der Serie

Zur Chronologie der sechsteiligen BU-Serie: Im ersten Teil ging es am 18. Juli um die innovative Teilzeitklausel, die es Teilzeitbeschäftigten ermöglicht, im BU-Fall faire Leistung zu bekommen. Im zweiten Teil stand am 25. Juli die Kindervorsorge im Mittelpunkt. Teil drei befasste sich am 1. August mit der Beitragsfreiheit der Altersvorsorge im BU-Fall.

Seite 1: keine einheitlichen AU-Regeln in BU-Policen
Seite 2: Fallen bei Krankentagegeld an der Grenze zur BU

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