BU-Serie (IV): Fallen bei BU, AU und KTG umgehen

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Langfristig arbeitsunfähig oder schon berufsunfähig? Worauf beim Übergang zwischen Krankentagentagegeld (KTG) und Berufsunfähigkeitsversicherung geachtet werden sollte, ist Thema der Serie mit dem BU-Sachverständigen Bert Heidekamp.

Grundsätzlich sei positiv zu bewerten, wenn der BU-Versicherer mit dem Leistungsantrag auf AU-Leistungen gleichzeitig auch den BU-Fall prüft, sagt Makler und BU-Sachverständiger Bert Heidekamp. Bild: Pohl

Seit 1999 gibt es festgeschriebene Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit (AU) in den BU-Bedingungen (Condor). „Es hat mehr als zehn Jahre gedauert, bis weitere Versicherer AU-Leistungen mitversichert haben“, sagt Versicherungsmakler Bert Heidekamp, zugleich Analyst Sachverständiger für BU-, Unfall- und Pflegeversicherungen. Die Klauseln seien sehr unterschiedlich. Es stellt sich somit die Frage, welche AU-Klauseln die Besten sind.

Heidekamp ist auch Inhaber der Online-Plattform fairtest.de, die Versicherungsbedingungen analysiert und bewertet. Dort werden auch AU-Klauseln mit 15 Fragen und über 50 Qualitätsmerkmalen bewertet. Allerdings bedeute eine gute AU-Klausel nicht automatisch, dass die BU-Bedingungen insgesamt gut sind.

„Wer als Berater mit dem Thema AU-Leistungen leichtfertig umgeht, dessen Kunden könnten insbesondere im Zusammenhang mit Krankentagegeld viel verlieren“, weiß Heidekamp aus Erfahrung. Daher geht es bei der Bewertung der AU-Klausel in BU-Policen auf der Plattform zum Beispiel um die Dauer von AU-Leistungen, die Meldefrist, die Anerkennungsfirst von AU-Bescheinigungen, die Form der Bescheinigungen, den Geltungsbereich, die Art der versicherten Krankheiten, Leistungsdynamikanspruch, Zielgruppen und Ausschlüsse.

Ab sechs Monaten Krankschreibung BU-Fall prüfen

Aktuell wird in Medienberichten darauf aufmerksam gemacht, dass eine Anerkennung der AU-Leistung auch ohne BU-Prüfung günstig sei. Begründung: Dann kann der Versicherte schon bei länger anhaltender Arbeitsunfähigkeit (Krankschreibung) Leistungen aus seiner BU-Versicherung erhalten – ohne wirklich berufsunfähig zu sein. Dies sei eine „verbraucherfreundliche AU-Klausel“. Ist das wirklich so?

„Richtig ist, dass es dann zu einer schnelleren Leistung aus der BU-Versicherung kommt und somit das Risiko von Einkommenslücken kurzfristig reduziert wird“, erklärt Heidekamp. Eventuell sei das aber zu kurz gedacht, denn „grundsätzlich muss positiv bewertet werden, wenn der BU-Versicherer mit dem Leistungsantrag auf AU-Leistungen gleichzeitig auch den BU-Fall prüft“, so der Experte.

Je länger AU-Leistungen fließen und sich dann der Gesundheitszustand bessert, desto schwerer fällt es dem Kunden und seinem Berater, spätere Berufsunfähigkeit nachzuweisen. Die Probleme daraus kennt man aus dem befristeten Anerkenntnis, so Heidekamp.

Ger Kemnitz, Makler und Betreiber der Website BU-Portal24.de, sieht das anders. Eine AU-Klausel sei sehr wohl besonders verbraucherfreundlich, wenn der Kunde für die Anerkennung der AU-Leistung nicht gleichzeitig noch einen kompletten BU-Antrag einreichen muss. "Schließlich handelt es sich hierbei um eine Option", so Kemnitz. Niemand verbiete dem Kunden oder seinem Berater, parallel oder wenig später noch den kompletten BU-Leistungsantrag zu stellen – dann aber ohne zeitlichen Druck und ohne finanzielle Not, denn die Leistungen aus der AU-Klausel fließen ja oder seien bereits beantragt.

AU-Leistung - ein befristetes Anerkenntnis?

Ein befristetes Anerkenntnis wird meist bei einer unklaren BU-Situation vereinbart. Je nach Tarif können vorübergehende BU-Leistungen zwischen 12 bis 36 Monaten vereinbart werden. „Fast jede Gesellschaft bietet ein befristetes Anerkenntnis mit unterschiedlichen Zeitspannen an“, kritisiert Heidekamp. Inzwischen werde überwiegend positiv bewertet, wenn der Versicherer auf ein befristetes Anerkenntnis verzichtet, da der Kunde im Anschluss sonst das Problem hat, den BU-Fall nachweisen zu müssen – genauso wie bei der AU-Regelung.

Man kann in der Regel nicht voraussagen, ob eine künftige Krankheit auch immer auskuriert wird. Denn die Arbeitsunfähigkeit (Krankschreibung) unterscheidet sich von der BU darin, dass die gesundheitliche Einschränkung von vorübergehender Natur ist und die Arbeitsfähigkeit in absehbarer Zeit wiederhergestellt ist. Bei einer Berufsunfähigkeit muss auf unabsehbare Zeit (mehr als sechs Monate) eine Erwerbsminderung bestehen.

„Wer längerfristig die Leistung aus einer BU-Versicherung anerkannt haben will, sollte die BU-Prüfung bevorzugen“, rät der Spezialmakler. Ist die BU-Leistung gewährt, kann der Versicherer nur durch eine Nachprüfung die Zahlung einstellen. Die Plattform fairtest.de bewertet aus diesem Grund die gleichzeitige Prüfung von AU und BU-Leistungen positiv. Da ragen laut fairtest.de beispielsweise heraus: Allianz, Condor, HDI.

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Seite 2: Fallen bei Krankentagegeld an der Grenze zur BU

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